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Vorwort. IX auf mein Herz und hält ſein Schlagen ein. Ich habe dann einen Augenblick des höchſten Genuſſes. Dieſer Genuß, ſo kurze Zeit er auch währt, iſt ein goldener Rahmen, der das Bild meines ganzen Lebens umſchließt. Dieſen Genuß habe ich während ich auf den Lö⸗ wen ziele und ich ziele auf ihn, ſobald ich ihn ſehe. Kommt er bis auf funfzehn Schritte heran, ſo iſt er verloren. Seit ich vertrauter mit ihm geworden bin, laſſe ich wohl auch ein paarmal eine gute Ge⸗ legenheit zum Schießen vorübergehen, um den Genuß zu verlängern. Endlich drücke ich ab und ich bin gerettet, ſobald ich mein Fleiſch von den Klauen nicht zerreißen, meine Knochen unter den gewaltigen Zäh⸗ nen nicht knacken fühle. Da ſuche ich durch den Pulverdampf hin⸗ durch zu ſehen.. Der Löwe iſt entweder todt oder er ſucht mich, oder er geht langſam fort.. Niemals flieht der Löwe. Iſt er todt, was ſelten geſchieht— von meinen fünfundzwanzig Löwen ſielen nur vier auf den erſten Schuß—, iſt er todt, ſo warte ich bis die Todes⸗ zuckungen ganz aufgehört haben, was lange dauert, denn das Thier iſt ſo ſtark, daß es ſelbſt dem Tode zu ſchaffen macht; rührt er ſich nicht mehr, ſo bin ich ruhig, denn der Löwe iſt viel zu ſtolz, als daß er täuſchen könnte wie ein Fuchs oder Wolf, ich trete alſo näher und betrachte ihn, wie er majeſtätiſch und immer noch anmuthig auf der blutgetränkten, zerkratzten Erde liegt; ich fühle, wie geſagt, faſt Ge⸗ wiſſensbiſſe. Wäre es ſo kalt, daß der Thermometer zehn Grad un⸗ ter Null zeigte, bin ich doch wie im Schweiß gebadet; meine Nerven und Muskeln ſpannen ſich mit einem Mal ab, eine allgemeine Mattig⸗ keit überfällt mich und ich ſuche einen Stein, um mich darauf ſetzen zu können.— Iſt er auf den erſten Schuß nicht todt, ſo laſſe ich ſo⸗ fort den zweiten folgen, lege die Büchſe bei Seite, greife nach der zwei⸗


