VIII Vorwort.
erſt würden Sie wiſſen was ein Löwe iſt. Tödten kann man ihn, be⸗ ſiegen niemals. Jedesmal wenn ich einen Löwen erlegt habe, zu dem Todten trete und die Elfenbeinzähne, die ebenholzſchwarzen Klauen und die ſo wohl gebauten Glieder ſehe, die es ihm möglich machen, in einem Sprunge einen Raum von fünfundvierzig Fuß zurückzulegen, ſchlage ich die Hände übereinander, fühle faſt Reue und Gewiſſenspein
ſen das Leben zu nehmen?““
„Gleichwohl treten Sie ihm ohne Unruhe entgegen?“
„„Allerdings, weil Unruhe die große Gefahr noch vergrößern⸗ wuͤrde, aber alle Willenskraft muß ich zuſammennehmen, um der Un⸗ ruhe und Beſorgniß Herr zu werden.““
„Was fühlen Sie? Ich frage noch einmal.“
„„Ich bin, wie Sie ſelbſt recht gut wiſſen, von ruhigem, ſelbſt ſanftem Temperament. Gewöhnlich ſchlägt mein Puls ſechzig bis ſiebenzigmal in der Minute, ſobald aber ein Araber zu mir kommt
und ſagt:„Gerard, da und da iſt ein Löwe und die Leute dort erwar⸗ ten Dich,“ befällt mich gleichſam das Fieber und ich denke an nichts als an den Löwen, der Puls fängt an ſich zu heben und macht fünf⸗ undſiebzig bis achtzig Schläge in der Minute. Ich ſetze mich dann nur noch, wenn ich mich vor Mattigkeit nicht mehr aufrechterhalten kann, ich ſchlafe ſchlecht und fahre jeden Augenblick aus dem leichten Schlummer auf und dies dauert ſo fort bis ich dem Löwen ſelbſt gegen⸗ überſtehe. Da ſcheint augenblicklich jede Aufregung in mir aufzuhören, wie der Gang des Räderwerkes einer Uhr ſtehen bleibt, wenn man den Pendel berührt; die Nothwendigkeit ruhig zu ſein, das Gefühl der Selbſterhaltung und die Größe der Gefahr legt gleichſam die Hand
und frage mich: Hatteſt Du, Zwerg, denn auch das Recht, dem Rie⸗
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