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Der Löwenjäger / Jules Gerard. Nach dem Franz. von August Diezmann
Entstehung
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Vorwort. VII

Gerard, ſprechen Sie einmal recht aufrichtig. Ihr Muth iſt gar nicht in Zweifel zu ziehen und Sie dürfen alſo die Wahrheit ganz ſagen. Welchen Eindruck macht Ihr Kampf mit dem Könige der Wälder auf Sie? Was fühlen Sie dabei? Etwas wie bei einem Zweikampfe?

Gerard lächelte.

Wie bei einem Zweikampfe? antwortete er. Ich habe etwa das Gefühl, das ein Mann haben müßte, der nackt ſich mit einem Gehar⸗ niſchten ſchlagen ſoll. Lieber zehn Duelle als einen Kampf mit einem Löwen!

Ich glaubte, Sie trieben die Löwenjagd aus Liebhaberei und zum Vergnügen.

Jedermann hat einen Beruf, lieber Freund, antwortete Ge⸗ rard.Mein Beruf iſt es den Löwen zu jagen, obwohl ich nicht ſein Feind bin, im Gegentheil ihn liebe und bewundere. Er iſt wahr⸗ haftig der König der Schöpfung; der Menſch nennt ſich nur als Uſur⸗ pator ſo. Wenn Sie einen Löwen ſähen, nicht einen der jämmer⸗ lichen ausgearteten, die man in Europa zeigt und nach denen man ſich nicht einmal eine Vorſtellung machen kann was ein echter Löwe iſt, wenn Sie einen Löwen in der Freiheit ſähen, deſſen Brüllen man drei Stunden weit hört; wenn Sie ihn ruhig und ſtolz, mit katzen⸗ artigen anmuthigen und doch kräftigen Bewegungen, in der Majeſtät ſeiner Stärke und Gewandtheit, herankommen ſähen; wenn Sie ſein Staunen bei dem Anblicke des Menſchen bemerkten, des einzigen We⸗ ſens, das ihn erwartet und in das Auge zu ſehen wagt; wenn Sie Zeuge von dem Entſetzen aller andern Geſchöpfe wären, die bei der Annaherung des Alleinherrſchers zittern, beben und wehklagen, dann