— 148—
begreifen konnte, wie Learch die Kühnheit und Unbeſon⸗ nenheit ſo weit treiben könne. Der Genie ſagte lächelnd: Ja, ich verlaſſe mich ganz auf Ihre Aufrichtigkeit, und ich bin in der That gewiß, daß Sie gezwungen werden ſeyn, dieß Werk zu loben. Sie müſſen alſo wiſſen, mei⸗ ne Herren, daß Sie während dem erſten und zweiten Act in Thränen zerfließen, im dritten und vierten in ein unbändiges Gelächter ausbrechen, und den fünften erha⸗ ben finden werden; übrigens iſt die Schreibart dieſes Stücks gewählt und rein, die Charactere ſind natürlich und gut gehalten, die Verknüpfung mit Kunſt durchge⸗
führt, und die Entwicklung bewundernswürdig.— Nun
—
das nenne ich einmal offenherzig ſeyn rief Tarſis! gewöhn⸗
lich denkt und ſpricht man auch ſo, aber auf eine ſchwer⸗
verſtändliche gekünſtelte Weiſe. Da lobe ich mir ſchon dieſe Art Stolz, die Sie haben, mein Herr: wenig⸗
ſtens iſt ſie komiſch und kann einem Geſchmack an der Beſcheidenheit beibringen.— Das iſt wahr, verſette Phanor, wenn ich zu Hauſe bin, ſo kann ich mich nicht enthalten, ohne alle Verſtellung zu ſprechen. Ich begrei⸗ fe wohl, wie einen meine Sprache in Erſtaunen egen
mag; allein Sie werden ſehen, daß ich, indem ich mi


