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erreicht hatte. Der Hauptmann war damals noch ſchlank; aber bis er Major und Oberſt wurde, ver⸗ riethen beide Eheleute durch zunehmende Beleibtheit, wie ſehr die Harmonie der Seelen glücklich verhei— rathete einander ähnlich werden läßt. In dieſer Liebe theilten ſie ſich auch in das Commando: ſie übernahm es im Hauſe, und er erweiterte das Seinige durch Avancement in der Armee. Ich bin recht begierig, ob ſie vielleicht in ihrem Witwenſtande die Commando— ſtimme auf halben Sold herabgeſetzt hat und mit hier⸗ her bringen wird.
Ehe noch Albert aus ſeinem Lachen etwas erwie⸗ dern konnte, klopfte es an die Thür, und ſein Kam⸗ merdiener trat mit der Meldung ein,„Ihro Gnaden die Frau Gräfin und die Frau Generalin von Edes⸗ heim Excellenz ſeien eben im Schloß angekommen.“
„Den Augenblick werde ich erſcheinen!“ ſagte Albert und trat, ſobald der Diener fort war, zu Mariannen, die ſich blaß und bebend erhoben hatte.—„Nur Muth, mein Herz!“— rief er.„Es bleibt bei dem, was wir verabredet. Komm' nur langſam nach, und bis hin⸗ über wirſt Du Dich gefaßt haben.“
Er umarmte ſie mit einem Kuß auf ihre kalte Stirne. In der Thüre rief er noch:„Sieh, Mariane, ein Sonnenblick bricht durch die Regenwolke!“ Inzwiſchen hatte die Gräfin Wallberg gleich bei


