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Marianne oder Um Liebe leiden. Th. 1
Entstehung
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General war ihre zweite. Sie galt nämlich für eine gute Partie. Ihr Vater, der Maurermeiſter Schel⸗ wig, hatte gute Zeiten und einiges Glück in der terie ſo wie in ſeinen Bauſpeculationen gehabt. Seine einzige Tochter Margarethe, oder wie ſie ſich in ihrer poetiſchen Zeit nannte Laura, war viel begehrt,

Lot⸗

hatte aber eine wunderliche Neigung für einen jungen Candidaten der Theologie gefaßt, der ihr in der Zei⸗ tung der Reſidenz einige Sonnette gewidmet und ſich ihren Petrarca genannt hatte. Dergleichen ging da mals noch, ſo unthunlich es heut für theologiſche Can⸗ didaten wäre. Es war ein kleiner, ſchmächtiger Menſch, der unter ihrem ausgeſtreckten Arm, wie unter einem Schlagbaum, durchſchlüpfen konnte. Der Vater war durchaus gegen die Neigung, und beide Liebende konn⸗ ten ſich nur in verſtohlenen Augenblicken ſehen. Eines ſehr ſchwülen Nachmittags hatte ihm Gretchen⸗Laura durch einen in's Fenſter des Seitengäßchens ausge⸗ hängten kleinen tyroler Teppich das bekannte Zeichen gegeben, daß ſie allein ſei, und er ſchlüpfte durch die Hofthür und die Hintertreppe hinauf, aller ſpäter erſt vom Profeſſor Stahl erkanntengöttlichen Ord⸗ nungen und Gliederungen ver reſſend. Aber ſein Ver⸗ hängniß erreichte ihn auch in derſelben Stunde. Laura ſtand eben neben einer großen Schachtel feiner Putz⸗ ſachen und eines eleganten Sommerhutes. Sie hatte