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Marianne oder Um Liebe leiden. Th. 1
Entstehung
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die Lächelnden behandelteſt, den Hochmüthigen Dich überhobſt, da rief es plötzlich in meinem Innern: Sieh', das iſt die Gräfin Marianne! Ich erſchrak ordentlich, daß ich eine Gräfin hatte, ſobald die Comteſſe fort war. Ich erkannte zugleich, daß in all' Deinem Leiſten auch Deine Liebe waltete. Von dieſem Augenblicke ſah ich Dich als die Meine an, und mir bangte nur, während ich Dich im Park ſuchte, wie ich den Ueber— gang von Eugenien zu Dir thun dürfe.—— Aber, Marianne, Du blickſt mich ſo ſchmerzlich an: habe ich Dir mit meinem Bekenntniß wehe gethan?“

Sie verneinte mit Kopfbewegung und lehnte ſich traulich an ſeine Bruſt.

„Mißverſtehe mich nicht, Marianne,“ ſprach er weiter, „und glaube ja nicht, daß mich ein Vorurtheil meines Standes befange! Nein, aber die Vorurtheile, die wir mit der Vernunft aus dem Felde ſchlagen, flüchten ſich erſt noch in die Gewohnheit unſeres täglichen Lebens und machen ſich noch geltend in den gedanken⸗ loſen Vorausſetzungen unſeres abgeſchloſſenen Daſeins. Und aus dieſem Schlupfwinkel ſind ſie oft viel ſchwerer zu vertreiben. Gib nur Acht, liebes Herz: Du auch haſt Deine Vorurtheile! Mit welchem Nachdrucke haſt Du Dich nicht wieder und wieder„die Schulmeiſters⸗ tochter aus Nettlingen“ genannt? Es iſt ein Vor⸗ urtheil Deiner Beſcheidenheit, und es fiel mir ein,

Koenig, Marianne. I. 13