Druckschrift 
Marianne oder Um Liebe leiden. Th. 1
Entstehung
Einzelbild herunterladen

27

Gräfin ſagte mir: Beſuchen Sie den Herrn Pfarrer, und ſo.. l“

„Dabei hat ſie freilich nicht an mich gedacht, mein Fräulein,“ fiel Heimberger ein.„Deſto eher wird der junge Herr an mich denken. Er wird ja erwartet, nicht wahr?“

„So höre ich!“ antwortete ſie,„und Sie können mir vielleicht das Genauere ſagen. Von Ihrer Woh⸗ nung aus ſieht ſich das Schloß ſo hübſch an, und was darin vorgeht, nimmt ſich da vielleicht beſſer aus, als wenn man mitten drin ſteht?“

Das ſchelmiſche Lächeln, womit ſie dieſe Bemerkung begleitete, nahm mit dem Zauber ihres ſeelenvollen Ge⸗ ſichtes den Pfarrer für die neue Erſcheinung ein. Er glaubte zugleich darin ein feines Verſtändniß ſeiner Be⸗ ziehungen zur gräflichen Familie zu finden, und faßte eine gute Meinung vom Scharfſinne der jungen Gou⸗ vernante.

Zwei heitere Naturen begegneten ſich eben mit dem ſympathetiſchen Zuge des Vertrauens. Ein ſcherzhaft inniges Geſpräch entſpann ſich, wie es zwiſchen Men⸗ ſchen vorkommt, die, für Scherz und Ernſt auf gleiche Tonart geſtimmt, einander verſtehen, als ob ſie ſeit Jahren zuſammengelebt hätten. Ein Spaß lockte den andern, und wenn ein herzliches Lachen die Schale des Scherzes brach, fiel der Kern eines edlen Gedankens