20 Geiſtliche aber bemerkte bei ſeinem Abſchiedsgruſſe ihr
heimliches, höchſt ſchalkhaftes Lächeln und kam auf die
Vermuthung, daß er mit ſeiner feierlichen Geberde der
Gouvernante einen lächerlichen Eindruck gemacht habe.
Sie erröthete bei ſeinem verwunderten Blicke; dieſes
beſtätigte ihn in ſeinem Verdachte, und er erröthete nun
auch, griff verwirrt nach Hut und Stock und ſchied mit
ſtummer, etwas linkiſcher Verbeugung.
Dieſe Haſt der Verlegenheit ſchloß wie ein ſchriller Mißton die gemüthliche Unterhaltung und ließ Marian⸗ nen ärgerl ich über ſich ſelbſt und in der Beſorgniß zu⸗ rück, daß wohl auf lange mit dem geiſtlichen Herrn a en habe. Doch ſie mußte ſich jetzt dar⸗ über hinausſetzen, und da ſie noch am Abende zur Grä⸗ fin beſchieden zu werden erwartete, ſo kleidete ſie ſich danach um. Die Dämmerung trat aber ein, ohne daß ſie gerufen wurde. In einiger Unruhe, auf jede Regung lauſchend, vernahm ſie von Weitem einen bekannten Choral, auf einer kleinen Orgel geſpielt. Sie trat auf den Corridor hinaus und hörte nun den Geſang deut⸗ licher vom Mittelbau her, wo auch einige Fenſter er⸗ leuchtet waren.
Nach einer 7“ erſchien der alte Chriſtian und löſte das Räthſ
„Sie ſind vic nicht eingeladen worden?“ ſagte er. Ihro Gnaden haben Sie wahrſcheinlich für zu ermüdet
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