als ſie dieſelben brauchte; allein dem geiſtlichen Herrn mochte daran liegen, eine liebenswürdige und begabte Gouvernante, die bei der Gräfin leicht zu Vertrauen und Einfluß kommen konnte, nach ihrer Herkunft und Verbindung ſo genau wie möglich zu kennen. Kenntniß iſt Macht, wußte er.
Mariannen fiel es wohl auf, daß die Gräfin ſie durch eine dritte Perſon befragen ließ. Allein die ſo theilnehmende Frage traf ihr Herz. Leidmüthige Erin⸗ nerungen kamen über ſie und verriethen ſich in dem
weichen Ton, womit ſie verſetzte:
7 „Der Weg meiner Bildung iſt einfacher oder liegt
näher, als unſere gnädige Frau vermuthet. Er beginnt in der Dorfſchule meines ſeligen Vaters, oder vielmehr von ſeinen Knieen, auf deren ſchwarzem Plüſch ich meine erſten Bilderbücher ausbreitete,— in der heiteren Hütte, im luſtigen Gras⸗ und Obſtgarten des Schul⸗ meiſters in Nettlingen, wo ich, das einzige Kind von Vater und Mutter, in Gehorſam und Liebe zehn
„Jahre alt wurde. Da ſtarben meine Eltern raſch hin⸗
ter einander an einem herrſchenden Typhus. Ich kam zu einem mütterlichen Oheim in der Reſidenz, der mich bei in Sprachen, in Muſik und Zeichnen für den Beruf
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gutem Einkommen, neben ſeinen Kindern erzog und
einer Erzieherin ausbilden ließ. Ich war nicht ohne Gaben und hatte in ſteter Erinnerung an Vater und
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