256
noch einen Rückſtand hoffender Jugend, womit ſie ſich deſto inniger an Mariannen anſchloß, die, in eine reiche Zukunft träumend, nur vor dem nächſten Uebergange noch heimlich bangte.
Unſern Doctor beſchäftigten zunächſt die am Ort anweſenden Fremden, mit denen ſich Mariannens Ge⸗ ſchick berühren konnte. Er nahm die gedruckten Bade⸗ liſten vor, und befragte ſich beim Hauswirthe, der um alle Vorgänge am Ort wußte. Die Prinzeſſin Mathilde war von der Kaiſerin ſelbſt in deren Hôtel aufgenommen worden. Prinz Alexander wohnte als Gaſt der hohen Herrin im Kurhauſe. Er hatte die Balconzimmer über dem Kaiſerbad inne, und liebte es zwiſchen den aus⸗ geſtellten Gewächſen der großen Altane ſeine Cigarre in freier Luft zu rauchen. Am andern Ende des Flügels war Graf Wallberg untergebracht, und bei ſeinem Ver⸗ hältniß zum Prinzen lag es nahe, daß er demſelben wohl auch Geſellſchaft auf dem Balkon leiſten werde, da er dann Mariannen oder ſie ihm in's Auge fallen mußte.
Dieſer Erkennungsmoment, der unter andern Um⸗ ſtänden die herrlichſte Ueberraſchung verſprochen hätte, ſchien doch unſerm diplomatiſchen Doctor ſo lange nicht wünſchenswerth, als das Verhältniß Alberts zu Sidonien noch im Unklaren lag.
Ueberhaupt kam es ihm jetzt, wo der Arzt hinter den Diplomaten zurücktrat, erſt recht zur Erkenntniß,


