Druckschrift 
Marianne oder Um Liebe leiden. Th. 2
Entstehung
Einzelbild herunterladen

—

244

Gunſten einer ſtandesmäßigen Heirath und verlockenden Beförderung werde widerſtehen können, hoffte er von einer perſönlichen Verhandlung zwiſchen Albert und Marianne eine ruhigere Löſung ihres Verhältniſſes. Er verſprach ſich davon eine gewiſſe Ernüchterung Ma⸗ riannens, die jetzt nur in der Entfernung von dem Ver⸗ lobten, durch Aufregung des Herzens und der Phantaſie, an ſo überſpannten Anſichten von Liebe und ewigem Leid der Liebe feſt halte. Er zweifelte nicht, wohin dann eine ruhige Wahl ihr Herz lenken, und daß ſolche zwiſchen dem von leidigen Erinnerungen umgebenen Be⸗ ruf einer Gouvernante, und dem ſtillen, friedlichen Glück einer Häuslichkeit, wie ihr ſeine anerkannte Liebe biete, zu ſeinen Gunſten ausfallen werde.

Nur wollte er vor allem wiſſen, was zwiſchen Si⸗ donien und Mariannen verhandelt worden ſei; da ihm ſeine Patientin doch zu lieb war, um ihr unbedachter⸗ weiſe vielleicht eine Demüthigung zu bereiten, die ihm ſelbſt ihre gerechte Entrüſtung zuziehen könnte.

Marianne hatte ſelbſt gegen Frau Roſer aus der unglücklichen Stunde mit der Sängerin ein Geheimniß gemacht. Die gute Frau wußte nur durch den Arzt, daß es darum gelte, dem Grafen eine ſtandesmäßige Frau, wahrſcheinlich in der reizenden Baroneſſe Sidonie, zu vermitteln. In dieſer Vorausſetzung hielt ſie, ſobald ihr Marianne nur einigermaßen gefaßter ſchien, mit