240
ich will eben das Edelſte von Ihnen,— die anſpruch⸗ loſe Freundſchaft eines Mannes der Liebe verlangt, weil er Liebe hat, und der Liebe werth iſt. Aber— ich kann nicht, Karl! Nie mehr, auch wenn einmal alles überſtanden und verwunden ſein wird. Denn — ſehen Sie, das Ewige, Göttliche in der Menſch⸗ heit, das in einer eigenthümlich geſchaffenen Menſchen⸗ ſeele die Liebe erweckerſcheint uns gerade in dieſer individuellen Geſtalt. In dieſer einen Perſönlichkeit faſſen und begreifen wir die Liebe; und wenn ſie in uns ſelbſt ſo wahr und ewig iſt, als ſie uns in dieſer Geſtalt erſchien; ſo finden wir ſie in keiner andern wieder. Wenn ſich mir die Roſe abblättert, in der ich allein die Seele der Natur begriffen habe, ſo kann ich, ſtatt ihrer, keine Lilie vor die Bruſt ſtecken. Wie könnte denn Liebe auch ewig ſein, wenn ſie nicht zu⸗ gleich eines ewigen Schmerzes werth wäre? Hoffen Sie nicht, Karl, aber helfen Sie mir!“
Nach einer ſtillen Weile, in der ſich der junge Freund zu faſſen ſuchte, ſagte er:
„Sie geben alſo den Grafen auf, Ihren Verlobten?“
„Sobald wir unſere Reiſe beſtimmt haben, ſchreibe
144
ich ihm ab!“ antwortete ſie.„Nicht um ihn wiſſen zu laſſen wohin ich gehe: nein, dies gerade nicht; nur will ich die Sache, die innerlich beſchloſſen iſt, erſt
auch äußerlich beſtimmt wiſſen.“


