237 ihr über Mariannen, ſie von ihm über die Sängerin Näheres zu hören. Er war es nämlich geweſen, der Frau Roſer aus Mariannens Zimmer rufen ließ. Beide, im Geſpräch über den Beſuch, hatten dann in Erwartung des Ausgangs unvermuthet und zu ihrer Verwunderung die Fremde durch den Garten eilen ſehen, um noch dem Regen zuvor zu kommen, der ſich eben mit großen Tropfen ankündigte. Der Dockor war ihr mit einem Regenſchirm nachgeſprungen; der Platzregen aber hatte Beide unter dem kleinen Schutzdache arg durchnäßt, ehe ſie das Wirthshaus erreichten.
Hier mußte Sidonie, wie der Arzt, die Kleider wech⸗ ſeln. Sie war mit ihrer Rolle durchgefallen, und eilte um ſo mehr die Sängerin wieder mit der Baroneſſe zu vertauſchen, die ſie aus dem mitgebrachten Koffer nahm. Weniger jedoch verſtimmt als aufgeregt und hoch geſpannt, war ſie den Fragen des Doctors aus⸗ gewichen, und was ſie mit einer gewiſſen Feierlichkeit geantwortet, hatte ihn eher verwirrt, als über das Vor⸗ gefallene aufgeklärt. Sie war dann auch, wie das Wetter nur einigermaßen nachließ, mit ihrem Einſpänner nach Nienſtedt zurückgekehrt.
Nach dem nun, was die Hausfrau von Mariannens Benehmen am Vorabend berichtete, konnte er nicht ohne ängſtliche Erwartung ihr Zimmer betreten. Sie empfing ihn mit der Freundlichkeit eines ernſten, aber entſchloſſenen


