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Marianne oder Um Liebe leiden. Th. 2
Entstehung
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ling gleich, der den Baum mit fruchtbringenden Blü⸗ then überſchüttet; ehe dieſer noch die dauernden Blätter getrieben hat. Die Briefe zweier Liebenden, unter den Pulſen eines von Sehnſucht bewegten, von Phantaſie getragenen Herzens geſchrieben, gleichen, im Verhältniß zu dem ernſten, perſönlichen Umgange, den Liedern eines Dichters, dem man in der Geſellſchaft, an ſeinem ängſtlichen, befangenen Benehmen, eben auch den freien, hohen Flug der Seele nicht anmerken kann.“

In ſolcher hohen Stimmung ſprachen beide ein Stündchen länger und heiterer, als es Albert erwartet hatte. Sie gingen abſichtlos auf alles ein, was ſie für die Zeit der Trennung und der Wiedervereinigung empfanden oder auf dem Herzen hatten. Selbſt die Vorbereitungen zu ihrer Verbindung kamen zur Sprache. Albert wollte den Aufenthalt in der Reſidenz auch zu dieſem Zwecke nicht unbenutzt laſſen. Eines beklagte er: daß er kein Bild von Mariannen für die trauten Stündchen ſeiner Erinnerungsfeier mitzunehmen hatte.

„Und auch keinen Trauring,“ lächelte Marianne, „den Du als Talisman gegen Anfechtungen Deines Herzens am Finger trügeſt, und der Dir im Augen⸗ blicke der Vergeſſenheit einen Stich verſetzte, wie der Dorn einer Roſe.“

„Deine Roſe wird mir Dornes genug ſein, Ma

rianne!“ antwortete er.