45 verreiſen; ich fürchte aber, daß er noch einen kleinen Hang für die Kranke behalten könnte, und weiß daß er am eheſten von ihr laſſen würde, wenn ihr eine körperliche Makel anhaften bliebe: allein darum darf ich doch um alles nicht wünſchen, daß es ſo komme, verſteht Sie mich, und ich dringe lieber darauf, daß die Kranke ſobald wie thunlich von hier fortgebracht werde; damit, wenn allenfalls ſolcher ſchlimme Ausgang unver⸗ meidlich wäre,—— Was wollt' ich doch ſagen? Nun ja, Sie verſteht mich ſchon, Frau Schappers! Das Unglück greift mich doch ſehr an!
Aber wie verändert erſchien mit einem Mal die ſtill unterwürfige Frau, als die Gräfin ſie erwartungs⸗ voll anblickte! Ihre demüthigen Geberden verwandelten ſich in Grimaſſen; indem ſie mit haſtigen Zeichen an die Stirne, den Mund, die Bruſt, in die Höhe und Ferne ihr Verſtändniß, ihre Verſchwiegenheit zu be⸗ theuern, und Entfernung, Geheimniß und wer weiß was alles anzudeuten ſuchte. Die Gräfin erröthete; ſie fühlte ſich von dieſen Zuckungen und gräulichen Blicken angewidert, und durch die Vertraulichkeit des ihr ganz nahe getretenen Weibes erniedrigt. Sie hatte vielleicht erwartet, mit ſo unſchuldigem Geſichte verſtanden zu werden, als ſie ſich geoffenbart hatte; ſtatt deſſen traten ihr nun die angenommenen Mienen ihres müt⸗ terlichen Kummers aus dem Benehmen des einverſtan⸗


