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Marianne oder Um Liebe leiden. Th. 2
Entstehung
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Da fiel ihr ein, daß ſelbſt die Gouvernante den neuen Arzt ſchon früher einen unheimlichen Menſchen genannt hatte, und noch näher lagen ihr die Mittheilungen und Vermuthungen des alten Chriſtian, die auf ein früheres verſchwiegenes Einverſtändniß zwiſchen dem Arzt und der Krankenwärterin zurückwieſen. Eine vollends ver⸗ lockende, ſpitzfindig trügeriſche Betrachtung trat hinzu. Sollte die Gräfin ſich ſelbſt oder ihr Kind, im Fall einer Erkrankung, dieſem Arzt anvertrauen, den ſelbſt ſo untergeordnete Perſonen als unzuverläſſig erkannt hatten und den gerade ſeine Geſchicklichkeit um ſo ge⸗ fährlicher machte? Es ſchien einer Probe werth zu ſein, ob er ſich von der Gräfin zu einem— Kunſt⸗ ſtückchen gewinnen laſſe und mithin auch gegen ſie ſelbſt zu gewinnen ſei.—— Ich bin es mir ſelber ſchuldig, ſagte ſie in lebhafter Aufwallung, zu verſuchen, ob man dem Manne durch Mißtrauen Unrecht thue, oder ob ich ihn ſo finde, daß ich mir ihn ein für allemal vom Leibe halten muß.

Sie war entſchloſſen: aber wie ſollte ſie es an⸗ greifen?

Ehe jedoch die vorſichtige Dame über den vorzu nehmenden Verſuch einig mit ſich ſelber wurde, lief eine Antwort ihres Freundes, des Hofmarſchalls, ein, der ganz unvermuthete Ausſichten gab. Er meldete ihr

nämlich im engſten Vertrauen, daß in den erſten Tagen