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Marianne oder Um Liebe leiden. Th. 2
Entstehung
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Neigung und wie viel Selbſttäuſchung in Ihren Erwar⸗ tungen ſei, enfin, Sie ſollen edel handeln und es Alberten erleichtern, ſich zu beſinnen und ſeine Verirrung gut zu machen.“

Marianne ſchwieg. Sie war zu tief verletzt und fand den Ton nicht, um auch nur mit höflicher Ent⸗ ſchiedenheit zu antworten. Ein ſchmerzliches Weinen ſtand ihr nahe, und ſie fürchtete, daß es ihr als Reue ausgelegt würde. In was für Erörterungen hätte ſie ſich auch einlaſſen müſſen, für welche es der Gräfin an Verſtändniß und gutem Willen fehlte! Ihr Herz zuckte fortwährend, und ſie hatte alles aufzuwenden, um ſich mit Würde aufrecht zu halten. Auch nur kör— perlich aufrecht: denn ſie hatte den ihr ſo ſpät angebotnen Sitz nicht angenommen, ſondern ſtützte ſich nur mit dem einen Arm ein wenig auf die Lehne des Seſſels.

Die Gräfin, die das Schweigen mißnehmen mochte, fuhr über ein Weilchen fort:

„Ich kann einem Mädchen von Ihren Gaben nicht verargen, daß es ſich Anſprüche an die Welt bildet und ſein Glück zu machen ſucht. Ich bin nicht unbillig, ſehen Sie, und fände es zu entſchuldigen, wenn Sie ſich von ſo manchen ſchönen Erwartungen, oder vielleicht gar von Verbindlichkeiten meines Sohnes nicht ſohin trennen möchten. Ich bin glücklicherweiſe nicht ohne Herz

und Vermögen, für meinen Sohn einzutreten und