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Marianne oder Um Liebe leiden. Th. 2
Entstehung
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ſie ſchwieg und heftete nur einen feuchten, unausſprechlich ſchmerzlichen Blick auf Alberts Bildniß. Die Gräfin, als bemerkte ſie es nicht, ſpielte mit ihrem Taſchentuche. Ein tiefe Stille währte eine Minute lang, dann ſprach ſie weiter und etwas freundlicher:

„Ich kann mir denken, Mamſell Weikart, daß die Zuneigung eines jungen, vornehmen Mannes, wie mein Albert iſt, für Sie viel Schmeichelhaftes, Verlockendes haben mußte. Sie ſind jung, beſitzen viel Phantaſie, es fehlt Ihnen nicht an dem, was auch den Grafen in der Einſamkeit ſeiner jetzigen Ruheſtation beſchäftigt und durch Neuheit der Empfindungen einnimmt. Ob Sie aber auch bedacht haben, wie vorübergehend ſolche Aufwallungen junger, adeliger Herren gegen bürgerliche

Reize ſind; ob Sie ein Verſtändniß davon haben, wie

lange Das, was Sie Alberten gewähren, vorzuhalten pflegt, und— wenn Sie es dabei immerhin auch edel meinen— ob es die Verluſte deckt, die er während

ſolcher Tändelei ſeinem Berufe, ſeiner höhern Be⸗ ſtimmung bringt: Das weiß ich nicht; aber ich bezweifle es; denn es ſind Fragen einer über ihren Lebenskreis hinaus gehenden Erziehungskunſt. Ich halte Sie bis jetzt noch für gewiſſenhaft genug, Marianne, eine ſolche Prüfung nicht von ſich zu ſtoßen, ſondern in Erinnerung an die guten Lehren, die Sie im Schulhauſe zu—

Dings— zu Nettlingen gewiß empfangen haben, mit d 5 d d d