21
denn, Marianne, laſſen Sie ein unverdientes Glück fahren, und begnügen ſich mit einem verdienten, zu dem ich Ihnen gern verhelfen will.“
Nur einen Augenblick lang war Marianne weniger von der Wendung, als vom Tone der Gräfin befremdet und erwiderte mit einem Aufblick nach dem Bildniß:
„Unverdient, ſagte ich, Ew. Gnaden, und meinte damit die äußern Vortheile Ihres bevorzugten Standes. Jede Stunde wäre ich bereit, ſie aufzugeben, die mir nach der Geburt zu Theil werden ſollen, wie ſie es Andern durch die Geburt werden. Dieſen freilich auch eigentlich unverdient, jedoch als ein Glück, eine Gunſt, die ſie im Bereich ihres Standes finden. Was man aber eben wohl aus der Geburt mitbringt, ohne daß es einem bevorzugten Stande geſchenkt wird,— die beſondern Gaben einer Perſönlichkeit, kann ich nicht ſo fahren laſſen, Ew. Gnaden: mit dieſen bin ich an Albert verlobt, und er wird Ihnen ſagen, ſie gehörten zu ſeinem Glücke.“
„Ich bin Ihnen ſehr dankbar für die gute Lection, Mamſell Weikart,“ erwiderte die Gräfin,„und gönne mir eigennütziger Weiſe die gute Belehrung lieber, als daß Sie dieſelbe ſpäterhin meiner Adele beigebracht hätten. Dürfte ich aber zu Ihrem Chapitre eine kleine Anmerkung geben, ſo möchte ich Sie erinnern, daß die
Glücksgaben, auf die Sie zu verzichten ſo bereit ſind,


