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Fritz Beutel : eine Münchhauseniade / von Hermann Marggraff
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gar ſehr überraſcht von dieſer Begrüßung, erwiederten ſie jedoch auf's freundlichſte und herzlichſte.

Ich erinnere mich ganz deutlich, wie ich ſogleich nach meiner Ge⸗ burt die große Familienſchüſſel mit dem Mehlbrei ergriff, der für meine elf Geſchwiſter zum Frühſtück beſtimmt war, die Schüſſel an den Mund ſetzte und bis zur Nagelprobe ausſchlürfte. Man kann ſich vorſtellen, wie meine elf Geſchwiſter auf mich losfuhren, denn ſo lieb ich ihnen war, ſo war ihnen doch der Mehlbrei noch lieber. Ich aber ergriff mit der einen Hand die Schüſſel als Schild, mit der andern den Löffel als Degen, ſtülpte auch noch den daneben ſtehenden Suppentopf als Helm auf den Kopf und ſetzte mich in Poſitur, indem ich zugleich eine Serviette wie einen Feldherrnmantel maleriſch um meine Schultern ſchlug. Meine Geſchwiſter ihrerſeits nahmen nun

auch ihre Löffel zur Hand, und ſo lieferte ich damals meine erſte

Schlacht. Hier parirte ich einen Hieb, dort theilte ich einen aus und bediente mich mitunter auch der Kriegsliſt, mit meinem Löffel in die Schüſſel meines Vaters zu fahren und meinen Geſchwiſtern den Mehl⸗ brei in die Augen zu ſpritzen, ſo daß ſie dieſelben nicht aufthun konnten. Meine Eltern waren zwar über meinen geſegneten Appetit anfänglich nicht wenig erſchrocken, brachen aber zuletzt in ein herzliches Gelächter aus, und mein Vater ſagte in richtiger Vorahnung meiner Größe: Dieſer Junge wird einſt dem Namen Beutel Ehre machen!

Acht Tage nach meiner Geburt wurde ein großes Familienconcil

gehalten, um über den Namen zu berathen, den ich in der Taufe er⸗ halten ſollte. Alle Muhmen und Vettern wurden hierzu verſammelt. Chriſtian, Chriſtoph, Chriſtlieb, Gottlob, Gottlieb, Gottfried, Trau⸗ gott, Fürchtegott, Leberecht wurden genannt und ich ſollte unter dieſen Namen die Auswahl haben, da ich ein ſo geſcheidter Junge war. Ich ſchüttelte jedoch zu allen dieſen Namen mißbilligend den Kopf, beſon⸗ ders zu dem Namen Leberecht, gegen den, ich weiß nicht welches Ge⸗ fühl, ſich in mir ſträubte. Endlich begann ich: Meine verehrten El⸗ tern! liebwerthe Vettern und Muhmen! Eigentlich hieße ich lieber gar nicht. Da dies jedoch gegen alle chriſtpolizeilichen Beſtimmungen wäre und ich nicht gleich acht Tage nach meiner Geburt als Opponent gegen Staat, Kirche und geſellſchaftliche Ordnung gelten möchte, ſo