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Fritz Beutel : eine Münchhauseniade / von Hermann Marggraff
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Eva linker Arm; man erblickte von beiden nur noch die Stumpfe. Auch war die Gruppe ſo mit Moos überzogen, daß ſie aus der Ferne völlig einem alten mit Moos bewachſenen Baumſtamme glich. Ein Büſchel Moos, welches von Adam's Naſe herabhing, hat mir immer beſondern Spaß gemacht. Ich fühlte ſtets ein Gelüſt, Adam daran zu zupfen, aber ein gewiſſer bibliſcher Reſpect und eine mir ange⸗ borne Pietät vor großen Männern hielt mich davon zurück.

An der Mittagsſeite des Schloſſes befand ſich ein langes Spalier mit Weinreben, aus denen unſer Gutsherr zum Beweiſe, daß in der Welt nichts unmöglich ſei, jährlich ſo und ſo viel Quart Wein kel⸗ terte. Ein wegen ſeiner vielen Schnurren bei unſerm Herrn gern geſehener Weinhändler, der einmal bei ihm zu Mittag ſpeiste und mit einer Flaſche dieſes Schnipphauſener Cabinetsweins bewirthet wurde, goß, als er davon genippt hatte, mit den WortenEſſig erſter Qua⸗ lität! den Wein zum Salat, was den Gutsherrn ſo verdroß, daß er ihn nie wieder zur Tafel zog. Schlimmer ging es einem benach⸗ barten Gutsbeſitzer, der wirklich eine ganze Flaſche hinunter zwang und davon auf eine Zeit contract wurde. Ueber die Heilungskoſten wurde ein langjähriger Proceß geführt, den aber unſer Herr verlor, nachdem eine aus Weinhändlern, Naturforſchern, Aerzten und Che⸗ milern zuſammengeſetzte Commiſſion ihre Entſcheidung dahin abgegeben hatte, der Schnipphauſener Wein enthalte wirklich Beſtandtheile, welche Jedermann, außer einen gebornen Schnipphauſener, contract machen, d. h. zuſammenziehen müßten. Der Herr von, zu und auf Schnipp⸗ hauſen hatte ſich durch allmäligen Genuß an den Spalierwein ge⸗ wöhnt, wie Mithridates ans Gift; ja alle Schnipphauſener vertrugen ihn, weil ſie durchaus verträglicher Natur ſind. 3

Mein Vater war der Schullehrer des Dorfes, Valentin Andreas mit Vornamen; meine Mutter war eine geborene Urſula Quaak und Tochter des Dorfſchmieds, der auch dieſe übrigens glückliche Ehe zu⸗ ſammengeſchmiedet hatte. Es waren ſchon elf Kinder beiderlei Ge⸗ ſchlechts vor mir da, und ich beſchloß, das Dutzend vollzumachen. Ich ließ mich daher geboren werden und trat an einem ſchönen Früh⸗ lingsmorgen mit den Worten: Guten Morgen, liebe Eltern! guten Morgen, liebe Geſchwiſter! an's Licht der Welt. Die Meinigen waren

D. B. X. Fritz Beutel, v. Marggraff. 2