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Auf den von Ihnen gemachten Vorſchlag, das mir von Ihnen zu liefernde Rohmaterial zu einem Buche zu verarbeiten, gehe ich mit größtem Vergnügen ein. Das Feld des Humors wird gegenwärtig in Deutſchland leider ſehr wenig beackert. Der Humor, der gemüthliche Burſche mit den offenen, zugleich weinenden und lachenden Augen, der ſich aus Sonnenſtäubchen ein ganzes Weltſyſtem baut und ſich in einem Welt⸗ ſyſteme häuslich einrichtet wie in einem Studierzimmer, der ehedem das Recht der Freizügigkeit und Anſäſſigmachung in unbeſchränktem Maße beſaß, iſt jetzt von der Geſellſchaft unter Cenſur und die härteſten Zwangs⸗ geſetze geſtellt. Es iſt Alles ſo verbiſſen, ſo grämlich, ſo krittelig, ſo freuden⸗ und hoffnungslos! Selbſt die Weiber mahlen in dem Einerlei der klappernden Reflexrionsmühle mit den Männern um die Wette. Und nun gar unſere Recenſenten! Dennoch glaube ich, daß ein Bedürfniß nach dem Humor in Deutſchland vorhanden iſt, wie unter Anderm der Beifall beweist, welchen Adolf Glasbrenner's„Neuer Reinecke Fuchs“(ich weiß nicht, ob Sie ihn geleſen haben, jedenfalls verdient er aber von Ihnen geleſen zu werden) in den weiteſten Kreiſen ge⸗ funden hat. Auch daß die altehrliche Jobſiade noch immer ihre zahl⸗ reichen Verehrer hat, daß Eulenſpiegel und Münchhauſen noch heut⸗ zutage ſo populäre Männer ſind wie Goethe oder Schiller, ſcheint auf dies Bedürfniß hinzudeuten, eben ſo die ausgebreitete Theilnahme, deren die„Fliegenden Blätter“ gleich bei ihrem erſten Erſcheinen ſich zu erfreuen hatten, wozu jedoch, wie ich mir ſchmeichele, unſrer Beider Name das Meiſte beigetragen haben mag. Selbſt unſere großen po⸗ litiſchen Zeitungen ſind für den, der zu leſen verſteht, oft ſehr humo⸗ riſtiſch, ohne daß ſie es gerade ſein wollen; denn ſo manchem humo⸗ riſtiſchen Schriftſteller gelingt es, ſich unter der ehrbaren Maske des Ernſtes in ihre Spalten einzuſchleichen. Ich habe Sie, verehrter Herr Doctor! gar ſehr in Verdacht, febſ ſtehender Mitarbeiter an ver⸗ ſchiedenen deutſchen Zeitungen zu ſein. Ich kenne meine Leute!
Es gibt alſo für den Humor noch immer ein Publikum in Deutſch⸗ land, und ich freue mich, daß Sie es über ſich gewonnen haben, dieſe gerade dem germaniſchen Weſen ſo eigenthümliche Seite in Ihre Pflege zu nehmen. Namentlich wird der Münchhauſen'ſche Humor, der ſich eine eigene fingirte Welt aufbaut, um die beſtehende Welt und zugleich


