Teil eines Werkes 
2 (1852)
Entstehung
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Am 4. Januar 1794 hatte das umherziehende Übel die Eingeweide verlaſſen, aber der fürchterlichſte ſcorbutiſche Speichelfluß, an dem er früher in Mainz während Heyne's Beſuch gelitten, ſtellte ſich ein. Schmer⸗ zen und Schlafloſigkeit dauerten fort, ſo daß der Kranke das kürzere Bülletin vom 4., worin er Thereſen für ihre Briefe dankte, ſie bat ſich zu beruhigen, da keine Gefahr vorhanden ſei, und ſich der löwenmäßigen Siege der Franzoſen freute mit den Worten ſchließen mußte: »Ich habe nun keine Kräfte mehr zum Schreiben. Lebt wohl! Hütet Euch vor Krankheit; küßt meine Herz⸗ blättchen.

Dies waren die letzten Worte, die von Forſter ſelbſt nach Neufchatel kamen. Seine Feder verſtechte in der Sehnſucht nach ſeinen Kindern, dem Einzigen, was ihm aus der Welt und dem Hauſe eigen geblieben war.

Bisher hatten Thereſe und Huber Forſter's Nach richten über ſeine Krankheit mit bekümmerter Theilnahme empfangen. Wie ſie den Freund in ſeiner altgewohnten Eigenheit, jedes auch kleinſte Übelbefinden mit hypochon⸗ driſcher Genauigkeit zu beobachten, ſchon ſeit Jahren kannten, faßten ſie anfänglich keine Beſorgniß, und be⸗ unruhigten ſich über den Ausgang nicht. Nur ſehr wehmüthig fühlte ſich Thereſe durch die Erinnerung ge⸗ ſtimmt, wie ſehr jede Krankheit den Geiſt des Mannes zu trüben pflegte, deſſen innigſte, entſagendſte Liebe aus jeder ſeiner klagenden Zeilen zu ihrem Herzen ſprach.