abſtändigen, dumpfigen Verhältniſſe unſeres bürgerlichen Lebens bringt und zur Erfriſchung darbietet. Nichts iſt dieſem edeln Herzen ſo zuwider, als jedweder Deſpotis⸗ mus im Glauben wie im Wiſſen und Wollen, jede cerlaine Science, ſie mag herkommen aus Rom oder aus Berlin.“⸗—
Von ſeinen Verſtimmungen ſuchte Forſter immer noch gern ſich durch einen kürzern oder weitern Ausflug in die Welt wieder herzuſtellen. Und wirklich liegt ja für Jedermann in den umfaſſenderen Lebensgebieten irgend eine Abhülfe für irgend eine der mannichfachen häuslichen Verkümmerungen. Jetzt benutzte er die Oſterferien im April zu einem Beſuche Jacobi's im Pempelfort. Thereſe und Sömmering begleiteten ihn. Sie brachten dort bei leidlichem Frühlingswetter neun vergnügte Tage zu. For⸗ ſter wäre gern länger geblieben, zumal er ſich in den letzten Tagen heimlich unwohl fühlte: allein der Kurfürſt hatte ihm in einer Geſchäfts⸗Audienz die Ferienzeit auf 14 Tage beſchränkt, nur, wie der unwillige Freund meinte, um den Herrn de mauvaise grace zu ſpielen; wie denn auch die vorbeſtimmte Sitzung in Bibliotheks⸗ angelegenheit hernach wirklich nicht gehalten wurde.—
Die Liebenswürdigkeit Jacobi's nahm Forſtern immer wieder ein, ſo oft ihn auch irgend eine Schrift oder eine abſprechende Anſicht deſſelben verdroſſen hatte. Ja, bei einer brieflichen Mißdeutung, die Forſtern auf's tiefſte kränkte, kam er nach jenem Beſuche dem ariſtokratiſchen Philoſophen mit verſöhnungbietender Hand entgegen; weil Verſchiedenheit der Meinungen die Freundſchaft nicht ſtören dürfte, die ja ſonſt nicht eher möglich wäre, bis


