Teil eines Werkes 
2 (1852)
Entstehung
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eigenthümliche Weiſe miſchte ſich franzöſiſche Converſation mit der deutſchen Steifheit. Schon auf den Kinder⸗ bällen, die auf dem eölibatären Eſtrich des Schloſſes zuweilen auch ſtattfanden, zwitſcherte die adlige Brut franzöſiſch, zählte mit ſteifgehaltnen Köpfchen die Schritte ab, und ließ ſich vom Papa im Violett-Talar aus der Bonbonniere füttern. Merkwürdig war das Augenſpiel an dieſem Hofe. Der Kurfürſt ſuchte mit majeſtätiſch geſpannten Blicken zu imponiren; ſein Bruder, der Ober⸗ hofmeiſter von Erthal, ſonſt rechtlich und harmlos, ah⸗ nenſtolz und wohlthätig, zwiſchen Papageien und Kupfer⸗ ſtichen ein Hageſtolz, pflegte bürgerliche Begrüßungen nur mit auf⸗ und niedergezogenen Augenbrauen zu er⸗ wiedern, und alle anderen bedeutenden Perſonen blinzel⸗ ten und kreuzten mit den Augen, wie Leute, die gern ſpähten, aber nicht durchſpäht ſein möchten,

Einen andern Einfluß neben den Weibern, und der mehr die Schlauheit des alten Herrn als deſſen Herz in Bewegung ſetzte, übten die Mitglieder des Domkapi⸗ tels. Durch perſönliche Begabung und Eigenheiten ver⸗

ſchieden, wie denn einzelne ehrgeizig und reich nach hohen Würden ſtrebten, andre mit ihren Finanzen ent⸗ zweit, zu Cabalen und Intriken geneigt waren, noch andre als Dummköpfe um ihrer Stimmen willen zum politiſchen Spiel der übrigen geſucht wurden, theilten ſie ſich auch in verſchiedene Parteien. Der jeſuitiſchen, durch welche Erthal empor gekommen war, entgegen, hatte ſich nach dem Namen und im Geiſte ſeines Vor⸗ gängers eine emmerizianiſche Partei als Oppoſition gebildet. Vielleicht eine Verwandlung der mit dem Jahre