Teil eines Werkes 
2 (1852)
Entstehung
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Menſch blickte, nahmen gern etwas der Galanterie an. Ihre Baſe, Frau von Ferette(Pfürdt), ſaß in der

von ihrem Biſam

andern Herzkammer des Fürſten, und ſpielte die zweite

Violine als Kammerfreundin und Hofdame, um einem Doppelherrn, einem Reichs⸗ und Kirchenfürſten, auch in der Freundſchaft die Wechſellaune von Braun und Blond zu laſſen. Und mit dieſer Laune, mit dieſem Blut⸗ wechſel in den Herzkammern, wechſelte auch manches Eh⸗ renfeſt in den prachtvoll eingerichteten Schlöſſern und in den verſchwiegnen Luſtgärten zu Mainz und Aſchaffenburg, zwiſchen denen der genußſüchtige Hofhalt ebenwohl wech⸗ ſelte. Hier wie dort fehlte es nicht an duftigen Lauben und kühlen Grotten, wenn nach der Tafel die Höflinge den Fräulein ſchalkhafte Gedichtchen von Voltaire und Greſſet vorlaſen, oder die Prälaten auf die Waden der ſchönen Frauen wetteten, um ſie mit dem Band ihres Kapitelkreuzes meſſen zu dürfen.

Deſto ſteifer ging es an den großen Hoffeſten zu. Militär in ſtracker, gepuderter Dreſſur machte Spalier. Der bürgerliche Hauptmann blieb in Reihe und Glied, wenn der adlige Lieutenant austrat und ſich unter die Gäſte miſchte. Es fehlte nicht an hohen Offizieren neben den Domherrn. Die kurfürſtliche Armee, wenn auch nur 3000 Mann ſtark, hatte doch zwölf Generale. Selbſt die kurheſſiſche Armee hat es ſpäter in ihrer Formation ſo weit nicht gebracht. Die ältern Herrn verzierten ihre Anmaßungen mit albernen Späßen, der jüngere Adel von einiger Bildungsbeſtrebung ſchmückte ſeine Anſprüche mit etwas frivolen Gedanken. Auf 2