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Schau getragenen hohen Politik. Jene verzupften das Wichtige, dieſe bauſchten das Unbedeutende auf.
Dieſe hohe Politik hing mit dem Fürſtenbunde zu⸗ ſammen, für welchen der Kurfürſt, in ſeiner perſönlichen Abneigung gegen Kaiſer Joſeph, ſich im Jahre 1787 von Preußen hatte gewinnen laſſen. Zu dieſer gegen öſtreichs Übermacht gerichteten Politik hatte ſich auch der kurz vorher in demſelben Jahre erwählte Coadjutor Dal⸗ berg bekannt. Der Fürſtenbund— die damalige preu⸗ ßiſche Union— war das Loſungswort ſelbſt für die bei Hofe mitregierenden Frauen. Wer ihnen mißfiel, wurde als öſtreichiſch geſinnt, als ſchwarzgelb bezeichnet.
Die Hauptperſon dieſes Einfluſſes, auf welchem das welkende Herz des alten Fürſten ſchaukelte, war Frau Generalin von Coudenhove. Eine geborne von Hatzfeld, war ſie mit dieſer zahlreichen gräflichen, unſerm Erthal verwandten Familie nach Mainz gekommen, und hatte den kurfürſtlichen Hof durch neue Stellen für die Vetter— ſchaft erweitern helfen. Die reizende Frau und Kabinets⸗ freundin des Kurfürſten vertrat an dieſem geiſtlich⸗ehe⸗ loſen Hofe, der doch des Frauenbeſuches nicht entbehren mochte, die Stelle einer Oberhofmeiſterin. Voll liebens⸗ würdiger Schwächen und nicht ohne Standesvorurtheile, die weltlichen Händchen in die geiſtlichen Finanzen ein⸗ geweiht, beſaß ſie für einen prieſterlichen Hof kleiner und zahlreicher Intriken Schlauheit und Unbeſonnenheit in der rechten Miſchung, um eigne Netze zu ſtellen und darüber in fremde zu fallen. Die Diplomaten ihrer Schule, in die auch Fürſt Metternich damals als junger
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