15 Erbaulichen ſich an's Beſchauliche zu halten, und ſtatt des ſonſt vom Diakon dargebotenen Evangeliums— die Leſerin ſelbſt zu küſſen.
Der Geſchmack im Prachtaufwande hatte ſogar ſein Miniſterium, in ſo fern der Miniſter Graf v. Sickingen, in Staatsgeſchäften durchaus unbrauchbar, im Lurus von Livreen, von Wagen und Pferden, von Schmuck und Geräthen, in Schlittenfahrten und Gaſtereien tonangebend und Vorbild war. Eine Bekanntſchaft des Kurfürſten von Wien her, bewies er ſich doch ſo unnütz für Ge⸗ ſchafte, daß der elegante Wagenlenker endlich abfahren mußte.
Im Übrigen lagen die Staatsangelegenheiten zum Theil in thätigen und nicht untüchtigen Händen, die jedoch, nach dem Herkommen an geiſtlichen Höfen, für die eigne Sippſchaft mitzuſorgen pflegten. So Staats⸗ rath o. Strauß, im Departement des Weltlichen, ein unermüdliches Laſtthier, das ſich aber unter gewiſſen Zu⸗ muthungen doch einmal ſchüttelte, und in Ungnade fiel; ſo in der Abtheilung des Geiſtlichen Heimes, ein Bauern⸗ ſohn von Kopf und Charakter, der Achtung einflößte, und es durch Erthal's Gunſt zum Weihbiſchof und zu guten Pfründen brachte,— nicht gerade für Rom, aber für Prieſtervorrechte ein Eiferer.
Andre Geſchäfte wurden auch wieder unter Frauen⸗ einfluß mit Leichtſinn und Unbeſonnenheit geführt. Oder es bemächtigten ſich auch Männer von Kopf, an denen es nicht fehlte, gerade der kleinlichſten Angelegenheiten, und betrieben ſie mit der vom Kurfürſten gern zur


