Teil eines Werkes 
2 (1852)
Entstehung
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Aber Sinnlichkeit und Ehrgeiz bei frivolem Geiſt halten ſolches nicht lange aus. Erthal fing allmählich an ſich aufzurichten. Anfangs mögen ihm die Jeſuiten, wie zur Erinnerung, leiſe auf's Rückkreuz geklopft haben allein biegſam genug ſich einzudrängen, war er auch glatt genug zu entſchlüpfen. Es koſtete gar keine beſon⸗ dere Verpuppung, ſo war die fromme Raupe in den luſtigſten Schmetterling verwandelt. Die fürſtliche Spar⸗ ſamkeit ſchlug in die üppigſte Hofhaltung, die Frömmelei in ſchwelgeriſches Genußleben, der kirchliche Eifer in etwas Freigeiſterei um. Statt der Abendandachten trug eine ſpätere Stunde ein feines Souper fuüͤr eine vertraute Ge⸗ noſſenſchaft auf, zu der manchmal auch Künſtler, poeti⸗ ſche und witzige Köpfe gezogen wurden. Die Betkiſſen blieben als Fußſchemel vor den londner und pariſer Lotterbetten liegen. Statt der Wallfahrten durch die Gaſſen nahm der Adel wieder die ſogenannten Pirut⸗ ſchaden auf; da man dann in 40 bis 50»Pirutſchen« vor dem gaffenden Volke durch die Stadt und die Alleen fuhr. Waſchungen und Handauflegungen hatten ſich wer weiß mit welchen Ceremonien in die innerſten Gemächer der Martinsburg zurückgezogen, hinter das Flüſtern des Rheins und des Publikums. Die theo⸗ logiſchen Unterhaltungen mit Goldhagen waren durch Beſprechungen mit Heinſe über deſſen Roman»Ardin⸗ ghello« verdrängt, und ſtatt des frühern Diakons aus dem Meßbuche las die ſchöne Frau von Coudenhove dem franzöſiſch plaudernden Freunde Voltaire's Pucelle und die lettres persannes vor, ſie ſelbſt gebaut und gekleidet, daß es ihrem Zuhörer leicht ward, ſtatt des

Erb