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lichen Unterrichtsweſen, und Steigenteſch, ein tüchtiger Schulmann, leitete nach neu verfaßten Schulbüchern die Volksſchule. Bald konnten die mainzer Lehranſtalten für das katholiſche Deutſchland und ſelbſt für manche prote⸗ ſtantiſche Länder als Vorbild dienen.
Zugleich ließ aber der Fürſt ſich auch die Förderung des ſittlichen Volkslebens überhaupt angelegen ſein. Die zahlreichen Feiertage wurden vermindert, die Wallfahrten nach wunderthätigen Orten verboten, die Erbſchleichereien der Geiſtlichkeit, das Umherlungern der Mönche bei pfaf⸗ fenſeligen Familien unterſagt, die Krämerei mit Reliquien und Bildern, mit geweihten Geißeln zur Teufelsabwehr, mit Ablaß und Amuletten abgeſchafft. Rückſichtslos ſtreng gegen die verbreitete Unſittlichkeit der Geiſtlichen, gab Emmerich Joſeph ſelbſt keine Blößen, ohne darum im Verkehr mit Frauen ein Sauertopf zu ſein. Vielmehr hatte er ſeine launigen Gedanken, menn er, wie einſt, zwiſchen der wohlbeleibten Frau von Wamboll und der hagern Frau von Greifenklau geſeſſen, einem lächelnden Herrn zuflüſterte: Kann man ſich beſſer unterbringen, als zwiſchen Fleiſch und Geiſt?
Zu den Bildungsanſtalten im Volksleben rechnete der Fürſt beſonders das Theater, und ſuchte es zu he⸗ hen. Er hielt das Repertorium im Auge, ließ für ſich ſelbſt eine Loge einrichten, und gab ſeine Kammermuſik in's Orcheſter. Er ermunterte die Stiftsherrn und Welt⸗ geiſtlichen, dieſe Predigten aus dem menſchlichen Leben nicht zu verſäumen. Und wirklich erwieſen ſich Männer wie Bentzel, Graf Wartensleben, die Dalberge und von Hoheneck zuthätig in Mitbeſorgung der Theaterſtücke,
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