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ſonne regte. Er knüpfte gern mit den Landleuten an, und wohnte ihren Vergnügungen bei,— ihren Geſän⸗ gen, ihren luſtig jauchzenden Tänzen. Näher oder ent⸗ fernter hegte er ſeine Lieblingsplätze auf luſtigen Höhen oder an ſchattigen Quellen. Flaſchen aus dem Hofkeller, Freunde aus der Stadt wurden mit dahin genommen; ein guter Spaß brauchte nicht blöde zu thun, ein derber Witz ward nicht abgewieſen. Der Fürſt hatte gern einen guten Vers zu einer guten Flaſche, liebte das Reimen beim— Leimen, wie er das Trinken nannte. Sollte aber die Luſt ganz voll anſchwellend überlaufen: ſo muß⸗ ten ſich Blas⸗Inſtrumente aus einiger Ferne hören laſſen. Der herrliche Höhepunkt an der Rheinhalde über der Stadt, die jetzt ſogenannte ſchöne Ausſicht, war damals ein kurfürſtlicher Landſitz mit Schlößchen, Alleen und Gärten— die Favorite. Sonntags wurde ſie auch den Bürgern geöffnet. Da zog der Handwerker mit Fa⸗ milie hinaus; die Magd trug den Henkelkorb mit Fla⸗ ſchen und kalter Küche, der Lehrjunge ſchleppte das kleinſte Kind. Und wenn nun alles im Schatten der Baume gelagert recht luſtig war, da trat wohl, wie eine Er⸗ ſcheinung, ein heitrer Mann im Violett-Talar mit dem Demantkreuze auf der Bruſt aus dem Buſchwerk hervor, verkoſtete des Meiſters Wein, und gab vom Seinigen aus dem Hofkeller zu verſuchen.
War das nicht Revolution im Gewand einer Idylle? Aber, wenn es dem erweckten bürgerlichen Selbſtgefühle, dieſen neuen Anſichten ohne Anſprüche, noch an innerer Kraft ſich aufzurichten fehlte: ſo ließ es Emmerich Joſeph auch nicht bei ſolchen Erweiſen eines menſchenfreundlichen


