bundne Laſten gern auf bürgerliche Schultern legte, um ſich für die ſocialen Vorzüge und excluſiven Genüſſe, die er allein zu tragen hatte, einigermaßen zu erleichtern.
In Betracht dieſes Zuſtandes möchte man es für eine höhere Fügung anſehen, daß der vorletzte mainzer Kurfürſt ein Mann von bürgerlichem Sinn und Geſchmack war, der durch ſeine menſchliche Perſönlichkeit wie durch ſeine fürſtlichen Beſtrebungen in den bürgerlichen Kreiſen ein höheres Bewußtſein erweckte, und ſie für die neuen Ideen und Anſprüche der Zeit vorbildete.
Wenn Emmerich Joſeph's Vater, der Freiherr Da⸗ mian v. Breitenbach, ausdrücklich glaubte, neugeborne Kinder nähmen durch ſympathetiſche Verbindung etwas vom Taufpathen an: ſo war dies für ſeine abergläubige Zeit weniger zu verwundern, als daß er gerade aus die⸗ ſem Grunde zur Taufe ſeines ſechsten Sohnes, gegen alles Standesherkommen, ſich in der That einen bürger⸗ lichen Pathen, den ehrlichen Emmerich Oehlinger in Koblenz, ausſuchte. Und die gewagte Sympathie be⸗ thätigte ſich nicht bloß in dem derben Geſchmacke des Fürſten für bürgerliche Koſt von Hülſenfrüchten und Möh⸗ ren, von Schöpſenfleiſch und Schinken, von Sauerkraut und Nudeln; ſondern auch in dem vereinfachten Hof⸗ halte, der zwiſchen den Anfoderungen der Doppelwürde eines Kurfürſten-Erzbiſchofs und den haussväterlichen Rückſichten auf einen verſchuldeten Staat ſich ſchicklich zu halten ſuchte; ſte bethätigte ſich in dem ganzen ehrlichen, volksfreundlichen Gemüthe des geiſtlichen Regenten. Em⸗ merich Joſeph ritt oft mit der Morgendämmerung aus, ſeine Freude an allem zu finden, was ſich mit der Früh⸗


