Teil eines Werkes 
1 (1852)
Entstehung
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welchem Napoleon ſpäter ſo harten Anſtoß nahm, und zur Generalin von Coudenhoven, die beide, bequem für vertraute Freundſchaft, in demſelben Hauſe wohnten. Dieſe ſchöne und einflußreiche Frau erſchien auch wieder, als Forſter den Abend bei Geheimrath Hoffmann, dem Leibarzte des Kurfürſten, zubrachte. Er bewohnte einige Zimmer im Schloß, und die Generalin hatte ſich von der Tafel des Fürſten weggeſtohlen, um an der lebhaf⸗ ten Unterhaltung Theil zu nehmen. Bei Hoffmann kam Forſter auch gleich an die Quelle ſo mancher ihm auf⸗ gefallenen Außerungen des Kurfürſten: es waren nach geſprochene Gedanken ſeines genialen Leibarztes, eine Art hoffmänniſcher Tropfen, die der alte Herr einnahm.

Der Coadjutor Dalberg ward natürlich nicht ver⸗ ſäumt. An ſeiner Tafel, in großer Geſellſchaft, lernte Forſter auch gleich an der lauten Unterhaltung und dem ſchallenden Gelächter der Gäſte die rheinländiſche Prä⸗ laten⸗Luſtigkeit kennen. Dalberg unterhielt ſich lebhaft und mit Antheil über wiſſenſchaftliche Dinge. Forſter fand ihn von gutem Ausſehen, das nur durch einen widrigen Muskelzug um den Mund und durch faltige Augenwinkel beeinträchtigt wurde. Etwas Weichliches in Gang und Haltung verrieth abgeſpannte Kraft und Schlaffheit des Charakters. Seine unverkennbare Her zensgüte ſchien doch durch etwas Mißtrauen im Blicke zu verrathen, daß ſie oft mißbraucht worden war. An der Tafel machte der Freund auch die Bekanntſchaft der erſten Männer des Kapitels, des Domicellars Grafen Fritz Stadion und einiger fremden Geſandten.

Auch Heinſe, Jacobi's ehemaliger Hausfreund, ließ