364 Sechezigſtes Kapitel.
teten Händen hinauf an den Himmel und dankte Gott, daß er das Herz ihres Pflegkindes ſo gut, ſo rein, ſo dankbar erhalten.
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An dieſem ſelben Tage war am Königlichen Hoftheater die erſte Aufführung der neuen Oper unſeres Freundes, des Compo⸗ niſten Charles, und das Publikum nahm dieſelbe günſtig über alle Erwartung auf. Der Componiſt wurde nach jedem Akte und am Schluſſe ſtürmiſch gerufen, und als er erſchien und ſeine Freunde hiebei bemerkten, daß er ungewöhnlich blaß und verſtört ausſah, ſo ſchrieben ſie das dem ungeheuren Erfolge zu, den er gehabt, und der Gemüthsbewegung, in welcher ſich jeder Künſtler in einem ähnlichen Falle befindet.
Einige dieſer Freunde waren nach der Vorſtellung in der Wohnung des General⸗Intendanten verſammelt, um den Com⸗ poniſten ihre beſten Glückwünſche darzubringen und ihre große Freude auszudrücken über das Gelingen ſeines vortrefflichen Werkes. 3
Aber er kam lange nicht.
Alfred von C. war von Lüttich zurückgekehrt und er erzählte dem Baron Karl, welche Aenderungen er an ſeiner kleinen Villa getroffen. Der Balletmeiſter Dubelli, im eleganten ſchwarzen Frack, dehnte ſich mit ungeheurem Wohlbehagen in einem weichen Fauteuil und rauchte eine feine Cigarre. Der Doktor Stechmaier durchblätterte einige Albums, die auf dem Tiſche lagen.
Graf Alfons wurde von ſeinem Kammerdiener in das Nebenzimmer gerufen. Dort fand er ſeinen Freund Charles in heftiger Bewegung auf und ab gehen.
„Aber was treiben Sie, beſter Freund?“ fragte der Graf überraſcht.„Wir erwarten Sie drinnen, um Sie mit dem ge⸗ rechteſten Lob zu überſchütten und Sie rennen hier im Halbdunkel auf und ab. Sind Sie von der Vorſtellung ſo aufgeregt, oder


