Teil eines Werkes 
3. Bd. (1851)
Entstehung
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Neunundfünßzigſtes Kapitel.*

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Graf Alfons, ich achte Sie hoch, ich werde Ihren Edelmuth nie

vergeſſen, aber ich verlange Ihr Ehrenwort, einen Schwur, bei Allem, was Ihnen heilig iſt, jetzt nicht zu ihm zu ſprechen! Aber dabei bitte ich Sie flehend, ihm nach Jahren meine Ge⸗ ſchichte zu erzählen, mein Herz offen darzulegen!

Anna! entgegnete der Graf und küßte ehrfurchtsvoll ihre Hand,Anna, Sie ſind grauſam, Sie thun Unrecht.

Schwören Sie mir, Graf Alfons! Es iſt wohl die letzte Bitte, die Sie mir in dieſem Leben erfüllen können.

Und nichts kann Sie in dieſem Entſchluſſe wankend machen? ſagte ſchmerzlich bewegt der Graf,alſo nichts iſt im Stande, Ihren Sinn zu ändern?

Nichts, Graf Alfons! Schwören Sie mir!

Ich ſchwöre es Ihnen!

Weder ihm ſelbſt von mir zu ſprechen, noch ihm durch einen Anderen von mir ſprechen zu laſſen, noch ihm in dieſer Sache zu ſchreiben.

Ich ſchwöre es Ihnen feierlichſt.

So danke ich Ihnen herzlichſt, Graf Alfons! ſagte das Mädchen in unendlich weichem Tone.Leben Sie wohl, ich darf. Sie meinen Freund nennen; beweiſen Sie mir dieſe Freund⸗ ſchaft und gewähren Sie bald die Bitte jenes alten Mannes. Ich kann nicht eher ruhig ſein, bis ich weit, weit von hier bin!

Ich werde thun, was ich kann, Anna, antwortete Graf Alfons gerührt und reichte ihr zum Abſchiede die Hand.Da ich es nicht vermag, Sie zurückzuhalten, ſo will ich Ihren Wunſch ſchleunigſt erfüllen. Sie haben Recht: was Sie thun wollen, muß ſchnell geſchehen. Schon morgen ſoll Benetti ſeine ehren⸗ volle Entlaſſung haben.

Er geleitete das Mädchen ehrfurchtsvoll an die Thüre, und da wandte ſie ſich noch einmal um, reichte ihm ihre beiden Hände, die er feſt und innig drückte. Sie blickte ihm dabei forſchend in