Neunundfünßzigſtes Kapitel.
rath mit einem verlegenen Lächeln und rieb ſich emſig die Hände. „Ja, ich bin deſſen ganz gewiß; man muß natürlich vor allen Dingen bei der Hofräthin anfragen, ob die Zimmer noch frei ſind, und in dieſem Falle und wenn dem Herrn Doktor die Woh⸗ nung gefällt, wird die Sache durchaus keine Schwierigkeiten haben.— Im Gegentheil, ich für meine Perſon würde mich außerordentlich freuen, einen Mann, wie der Herr Doktor, einen bedeutenden literariſchen Namen, in unſerem Hauſe zu wiſſen.“
Der Stadtrath hatte bis jetzt nicht die entfernteſte Ahnung davon gehabt, daß es überhaupt einen Doktor Stechmaier auf
dieſer Welt gebe. Dieſer dagegen, nachdem er den Stadtrath
geſehen und geſprochen, begann ſich deſſelben doch von früheren Zeiten her ſo allmählig zu erinnern, und Geſchichten, wie mit der Gasbeleuchtungs⸗Einrichtung contra Schlachthaus, und der neuen Kirche contra Löſchcorps, begannen in ſeinem Innern auf⸗ zudämmern. An Widerſpruchsgeiſt hatte es dem Doktor von jeher nicht gefehlt, und da es ihn namentlich ärgerte, daß ſich die fette Stimme des Nebenzimmers in ſeine Angelegenheiten miſchen zu wollen ſchien, ſo beſchloß er, das Herz des Stadt⸗ rathes und die beiden Zimmer der Hofräthin im Sturme zu erobern.
„Es iſt allerdings ſchade,“ ſagte er nach einer Pauſe,„daß es den Anſchein hat, als ſeien die fraglichen Zimmer bereits ver⸗ geben. Es wäre mir namentlich wünſchenswerth geweſen, in dieſem Hauſe zu wohnen, es hätte mir bei einer größeren Arbeit von einigem Nutzen ſein können.“ 8
„Ei?“ ſagte der Stadtrath.
„Ich wurde,“ fuhr der Doktor in gleichgültigem Tone fort, „durch die Cotta'ſche Buchhandlung hieher berufen, um dieſe
größere Arbeit, welche die hieſige Stadt betrifft, an Ort und Stelle zu vollenden.“


