Teil eines Werkes 
3. Bd. (1851)
Entstehung
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336 Neunundfünßzigſtes Kapitel.

brechen und Fehlern litten, zeichneten ſich dagegen durch die billigen Bedingungen aus, welche man bei ihnen ſtellte. Dieſe billigen Bedingungen nämlich beſtanden meiſt in den übertrie⸗ benſten Forderungen, zuweilen in einem ſolch großen Mieth⸗ preis, daß ihn kein Menſch im Stande war zu erſchwingen, oder in der Verweigerung eines Hausſchlüſſels, in dem Ver⸗ langen, gar keine Beſuche anzunehmen oder um zehn Uhr ſein Licht auszulöſchen, ferner in dem Wunſche des Hauseigenthümers, auf ſeinem Zimmer nicht zu pfeifen oder zu ſingen, keine Hunde, Katzen und Vögel zu halten, ſich ſelbſt zu raſiren, damit der auf und ab eilende Barbier die Treppen nicht verderbe, und der⸗ gleichen Quälereien und Chikanen mehr.

Der Doktor, als ſolcher und Schriftſteller, hatte nebenbei noch einige Schwierigkeiten mehr zu überwinden, denn wenn er hie und da ein Quartier fand, das ihm gefiel, und er ſich darauf zu erkennen gab, ſo bedauerte man gewöhnlich, das Quartier

icht ſogleich verſprechen zu können: man hatte noch einem

Anderen zugeſagt, ein paar Tuge auf ihn zu warten; oder man

war freimüthig genug, geradeaus zu erklären, der Herr Doktor-

möge verzeihen, aber man habe ſich einmal zur Regel gemacht, die Zimmer weder an Seiltänzer, Schauſpieler, noch Literaten zu vermiethen.

Eines der letzten Quartiere, die dem Doktor Stechmaier auf ſeiner Rundreiſe durch die Stadt noch zu beſichtigen blieben, war in einem anſehnlichen Hauſe in einer neuen Straße, Nummer Vierundvierzig, und hier beſchloß er, zum Letztenmal ſein Heil zu verſuchen. Es waren in dieſem Hauſe zwei anſtändige meublirte Zimmer zu vergeben, im erſten Stock das Nähere zu erfragen. Der Doktor ſtieg die Treppe hinauf und kam oben an eine Glas⸗ thüre, wo neben der Klingel der Name des Bewohners zu leſen ſtand:Stadtrath Schwämmle. Der Doktor erinnerte ſich dieſes Namens aus früheren Zeiten her noch ziemlich dunkel