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Doktor aber, dem weder dieß Eine noch das Andere für ſeine Bedürfniſſe paſſend ſchien, ſuchte nach Wohnungen von zwei bis drei Zimmern, und nachdem er ſich aus den betreffenden Blättern eine Menge ſolcher, die ihm zu conveniren ſchienen, mit Straße und Hausnummer notirt, nahm er ſich eines Tages die vollkom⸗ menſte Zeit, waffnete ſich auch mit der größtmöglichen Geduld, denn er wußte, was es zu ſagen hatte, in hieſiger Stadt ein Logis zu ſuchen und zu finden.
Drei Zimmer in einer der beſten Straßen der Stadt, in einer der beſten Lagen, verwandelten ſich bei näherem Betrachten in eine finſtere, feuchte Parterre⸗Wohnung mit einem einzigen Zimmer in der Mitte, das rechts und links zwei Cabinette mit ſchiefen Wänden hatte, welche letztere unter zwei verſchiedene Treppen hinein gebaut waren. Eine andere Wohnung, ſommer⸗ lich gelegen, mit Zutritt in den Garten, ergab ſich als ein alters⸗ ſchwacher Gartenſalon, deſſen Thüre und Fenſter morſch waren, und der ſ ſich alletdings inſoſern zu einer Sommer⸗Wohnung gug⸗ 4 I eine Menge Riſſe
mge in Thüre und Mauern geſtattet war, wenn und wie ſie eben wollte, durch das Zimmer zu ſtreichen. Ein drittes Quartier, mit ſchöner Ausſicht, gut gelegen, beſtand aus einem Zimmer an der Seite eines unausſprechlichen Gemachs, deſſen Nachbarſchaft, auch ohne daß man es vorher geſehen, von dem Miethsmanne auf's Unangenehmſte geahnet wurde. Die ſchöne Ausſicht, welche dieſes Quartier auszeichnete, beſtand im Ueber⸗ blick auf die ſchwarzen Dächer der Nachbarſchaft, und wenn der Einwohner vielleicht im Stande war, ſeinen Hals auf eine faſt unnatürliche Art zu verdrehen und um die Ecke des Nachbar⸗ hauſes zu ſchauen, ſo gelang es ihm vielleicht, ein Stückchen Berg, ein paar Bäume und einen alten Kuhſtall zu erblicken.
Andere Wohnungen, die der Doktor Stechmaier durchſah und prüfte, und die nicht ſo ſehr an den eben gerügten Ver⸗
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