Teil eines Werkes 
3. Bd. (1851)
Entstehung
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330 Achtundfünßzigſtes Kapitel.

Mein Bruder? ſagte der alte Benetti,Gott hab' ihn ſelig! Ja, mein Bruder, das war nun einmal ſein Geſchäft. Aber wenn Euer Excellenz wüßte, welche Scene ich mit dieſem meinem einzigen Bruder hatte ob der abſurden Zumuthung, ihm Tanzmuſtken zu ſchreiben! Und dann erſt das Publikum was will das beweiſen? Dem gefällt Alles, was neu iſt und glänzt und rauſcht, und für das Publikum! Excellenz können mir glauben das hat mich hauptſächlich verdroſſen, daß gerade jene Muſtk dem Publikum gefallen, oder vielmehr, daß er ſo gediegene Sachen der Menge für Tanzmuſik auftiſchte. Da hätte es der elendeſte Walzer ebenſo gut gethan. Und es waren ge⸗ diegene Sachen darunter, Excellenz herrliche Motive, an denen ſich der ernſteſte Geſang nicht hätte zu ſchämen gebraucht. Erinnern ſich der Herr Graf vielleicht noch etwas aus jenem Ballet? Benetti griff nach ſeinem Cello, ließ ſi ſich auf Stuhl nieder und nahm das Inſtrument zwiſchen die KnienDa war im zweiten Akt ein Gedanke, den hatte er herrlich durchge⸗ führt. Freilich mußte das zu den widerſinnigſten Springereien dienen, und für Jedermann klang es ganz einfach und nichts⸗ bedeutend; aber der Muſiker fühlte wohl, daß er hier einem großen Talent begegne. Erlauben Sie einen Augenblick, Excellenz.

Damit ſetzte der Muſtiker ſeinen Bogen an die Seiten und ſpielte mit der feſten, kunſtgeübten Hand ein einfaches, reizendes Motiv. Es lag etwas Melancholiſches und Klagendes darin, tiefer Seelenſchmerz, eine ganze traurige Liebesgeſchichte. Und wie ſpielte der alte Mann dieß einfache Thema! Es kam ihmn vom Herzen und gieng zum Herzen.

Der Graf hörte neben ſich ein leiſes Geräuſch und als er ſich leiſe zur Seite wandte, ſah er an der Thüre die Magdalene ſtehen, und während ſie den ihr wohlbekannten Tönen lauſchte, floßen die Thränen über ihr Geſicht herab. 8