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Achtundfünßzigſtes Kapitel.
zehn Jahre verſteckt zu halten und hier in die Dienſte des Ita⸗ lieners zu treten, gerade hier zu wohnen, in den Zimmern, wo ſte mit Charles ſo viele glückliche Stunden verbracht.— Und auch hier hieß ſte Magdalene, wie auf ſeinem Jagdſchloſſe, nach der Erzählung des alten Amadäus.— Magdalene, eine büßende Magdalene!— Die Seele dieſes Mädchens kam ihm groß und erhaben vor; ſte wußte gewiß, was aus Charles, ihrem Freunde, geworden war, gewiß war ſie überzeugt, daß deſſen Liebe zu ihr nicht erloſchen. Und doch verbarg ſte ſich vor ihm; ja, ſie wäre wahrſcheinlich nicht in die Reſidenz zurückgekehrt, hätte ſie ahnen können, daß Charles ebenfalls wieder kommen würde. Und dieß herrliche Mädchen, dieß große edle Herz ſollte zu Grunde gehen, weil ſte in Armuth und Noth geboren, nicht nur keine ſorgſame ſchützende Hand fand, die ſie vor Fehltritten bewahrte, ſondern weil ihr das unerbittliche Schickſal eine Mutter gab, der Alles käuflich geweſen, ſelbſt die Ehre ihres Kindes?— Alfons ſchüt⸗ telte bei dieſem Gedanken heftig mit dem Kopfe.
Inzwiſchen aber hatte er die ihm in der That vollkommen
gleichgültige Antwort des alten Muſikers überhört, ja er hatte ſeine eigene Frage vergeſſen und wunderte ſich, als ihm Benetti jetzt ernſt und feſt ſagte:
„Ei freilich, Excellenz; wenn auch der Herr Graf über
meine Antwort den Kopf ſchütteln, ſo muß ich doch wiederholen: Privilegien ſtnd und bleiben Privilegien!“
Alfons ſah den Muſiker mit großen Augen an, dann, wie aus einem tiefen Traume erwachend, erinnerte er ſich wieder des vorhin geführten Geſprächs und erwiderte lachend:„verzeihen Sie mir, beſter Benetti, ich war mit meinen Gedanken ein wenig auswärts. Aber Sie haben vollkommen Recht: Privilegien ſind Privilegien, und Gott ſoll mich bewahren, daß ich eines antaſte! Ich habe blos geglaubt, in einigen Fällen, wo es wichtig iſt,


