Benetti. 327
mit dem gleichgültigſten Tone von der Welt:„eine Verwandte von Ihnen?
„Nein, nein!“ antwortete der Italiener lächelnd,„Benetti hat keine Familie in Deutſchland. Sie führt meine Wirthſchaft, — ſie iſt meine Haushälterin.“.
„Ei, ei!“ ſagte lachend der Graf und drohte dem Muſiker mit dem Finger, vei, ei! alter Herr! Sie haben eine ſchöne Haushälterin.“
Benetti ſah einen Augenblick nachdenkend an die Thüre, durch welche das Mädchen verſchwunden war, und erwiderte als⸗ dann ziemlich ernſt:„Excellenz, ich bin ſtebenzig Jahr; iſt das Mädchen wirklich ſchön? Ich weiß es wahrhaftig nicht; ſie ſteht mir aus wie jede Andere. Aber ſie iſt ſehr brav und ſehr gut, und dient mir redlich, treu und unverdroſſen. Und daß ſie gerade Mir unverdroſſen dient, iſt wohl ihre größte Empfehlung, denn ich kann ſehr eigenſtnnig, ſehr wild und heftig ſein, Herr Graf.“⸗
„In der That,“ entgegnete der Intendant,„dergleichen hat man mir von Ihnen geſagt, lieber Benetti, und namentlich was Ihren erſteren Fehler, den Eigenſtnn, anbelangt, deßhalb bin ich wahrhaftig gekommen, um mit Ihnen ein freundliches Wort zu ſprechen.“
„Und das wäre?“ ſagte forſchend der alte Italiener, und
n Augen, mit denen er den Grafen feſt anſchaute, blitzten
unter den herabhängenden Brauen hervor.
„Der Kapellmeiſter wünſcht,“ fuhr der Graf fort,„daß Sie mit Ihrem eminenten Talent auch ihn bei den Proben hie und da unterſtützen möchten; namentlich heute bei der Probe einer neuen Oper hat man Ihre kräftige Hand ſehr vermißt.“
Der Graf ſagte das eigentlich nur, um etwas zu ſagen; ſeine Gedanken waren aber durchaus nicht bei der Frage, die er an den alten Muſiker that. Vielmehr ſuchte er ſich die Möglich⸗ keiten klar zu machen, welche Anna vermocht haben könnten, ſich


