326 Achtundfünßzigſtes Kapitel.
wäͤre, wie er es war, ſo hätte er in dieſem Augenblicke einen Ruf der Ueberraſchung nicht unterdrücken können.
Es war Anna, die vor ihm ſtand, die ihm mit zitternder Hand einen Stuhl darbot..
Seit jener Zeit, wo der Graf das Mädchen zum Letzten⸗ male geſehen, waren zehn Jahre vergangen, zehn Jahre, die für ſie gewiß keine Zeit der Freude geweſen waren. Das ſah man wohl ihren Zügen an. Doch ſchien die harte Hand des Schickſals das Antlitz des Mädchens ſo ſchonend wie möglich, ja mit einer gewiſſen Scheu berührt zu haben, denn noch immer war dieß Antlitz ſchön geblieben, ja auffallend ſchön und edel, und die früher ſo trotzigen, ja mitunter wilden Züge hatten ſich weich und ſchwermüthig geſtaltet. Das war noch daſſelbe ſchöne blonde Haar, dieſelben glänzenden blauen Augen, die herrlichen weißen Zähne.
In dem Augenblicke, als ſich das Mädchen herumwandte und dem Grafen voll in das Geſicht ſchaute, nahmen ihre Augen, ihre Züge einen ſchmerzlich bittenden Ausdruck an, der den Grafen wie ein Blitz durchfuhr, den er aber augenblicklich verſtand. Und wohl auch mit aus dieſem Grunde blickte er das Mädchen mit erkünſtelter Gleichgültigkeit an, und kein Zug in ſeinem Geſichte verrieth, daß er ſie jemals geſehen. Das Einzige, was er nicht laſſen konnte, war, ihr eine tiefe, ja ehrfurchtsvolle Verbeugung zu machen, durch ein unbekanntes Gefühl der Verehrung her⸗
vorgerufen, das ihm aus dem Innerſten ſetes Herzens kam. Auch nahm er ſchnell den Stuhl aus ihrer Hand, ſtellte ſich vor ihn hin und ſtützte ſich mit dem Arm auf die Lehne deſſelben.
Das Alles aber war das Werk von kaum zwei Sekunden, und dann ſagte der alte Benetti zu dem Mädchen:„geh' hinaus, 3 Magdalene!“
Der Graf blickte ihr einen dgenöſit nach und ſagte dann 8
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