Teil eines Werkes 
3. Bd. (1851)
Entstehung
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324 Achtundfünfzigſtes Kapitel.

Ich wüßte aber in der That nicht, Signor, antwortete der Italiener,woher Sie auf die Vermuthung kommen, ich ſolle Sie beſuchen?

Sie kennen mich alſo nicht?

Nein, Signor, erinnere mich auch nicht, Ehre gehabt habe, Sie zu ſehen.

So muß ich mich Ihnen förmlich vorſtellen! ſagte lachend der Graf.Durch die Gnade Seiner Majeſtät bin ich zum General⸗Intendanten der Königlichen Theater ernannt worden. Graf Alfons von**.

Der alte Muſtker lehnte ſein Cello an den Stuhl und erhob ſich langſam, um ſeinem neuen Chef eine tiefe Verbeugung zu machen. Das Mädchen aber am Fenſter zuckte bei Nennung dieſes Namens, jedoch faſt unmerklich, zuſammen.

Ich habe Sie heute Morgen vermißt, lieber Benetti, und da ich viel Gutes von Ihnen gehört und Sie hochſchätze, ſo komme ich hieher zu Ihnen, um Ihre Bekanntſchaft zu machen. 4

Benetti war ein Mann hoch in die Sechszig, ſein Rüken etwas von dieſem hohen Alter gebeugt; doch waren ſeine Be⸗ wegungen noch friſch und lebendig. Sein Kopf, mit dichtem

daß ich je die

weißem Haar bedeckt, zeigte ſcharfe, aber gutmüthige Geſtchts⸗

züge, die man faſt hätte ſanft nennen können, wenn nicht die kohlſchwarzen Augen unter buſchigen, immer noch kohlſchwarzen Augenbrauen dem ganzen Geſichte etwas außerordentlich Leben⸗ diges, ja in gewiſſen Augenblicken etwas Herausforderndes, ja Trotziges gegeben hätte. Die Kleidung Benetti's war ſich ſeit vielleicht fünfzig Jahren gleich geblieben. Er trug heute noch wie damals kurze ſchwarze Beinkleider, ſchwarzſeidene Strümpfe mit Schuhen, dazu ein weißes Halstuch mit lang herabfallenden Zipfeln und einen ſchwarzen, wenn auch etwas altmodiſch ge⸗ ſchnittenen, doch ſehr anſtändigen Tuchfrack.