Ein Schioß im Walde. 17
„Hörner!“ riefen Einige ganz entſeht; horriblel B Andern,„hat man je ſo was gehört?“.
„Sah alſo das,“ fuhr der junge Diplomat gleichmüthig lachend fort,„was man in der gewöhnlichen Sprache Hörner nennt und was auf jeden Fall ein Bock ſein mußte. Dem ſchoß ich eins hinauf und er—„8
„Verwandelte ſich in eine Gais!“ lachte Herr von C., worauf Alles einſtimmte, ſelbſt der Jagdherr lächelte.
„Ich wende mich an Sie,“ ſagte der unerſchütterliche Diplo⸗ mat zum Grafen Alfons,„als die höchſte Behörde hier. Spre⸗ chen Sie Recht in meiner Angelegenheit.“
„
„Laſſen wir das ruhen; behandeln wir es wie ein geheimes Geſchäft, das unter uns bleibt.“
„Nein, nein, durchaus nicht! Gerechtigkeit vor Allem!“
„Und Oeffentlichkeit und Mündlichkeit!“ ſagte lachend der ältere Offizier.
„Schreckliche Grundſätze!“ bemerkte der Diplomat;„Oef⸗ fentlichkeit und Mündlichkeit!— Aber hier kann es mir ſchon recht ſein, damit die Beweiſe meiner Unſchuld deſto glänzender für mich ſind.“ Bei dieſen Worten lehnte ſich der junge Herr in ſeinen Lehnſtuhl zurück, ſchloß die Augen und machte ſchmunzelnd ein ſpitzes Maul, als ſei er überzeugt, etwas ungeheuer Ange⸗ nehmes über ſeine Leiſtung als Jäger zu vernehmen. Dieſe Miene des Angeklagten war ſo mit Unſchuld getränkt, daß eine einigermaßen befangene Jury zweifelhaft geworden wäre. Doch lag das Verbrechen zu klar am Tage, der galante Wirth aber mußte mehrere Mal aufgefordert werden, ehe er ſich herbeiließ, ſeine Entſcheidung abzugeben, und es erforderte mehrere:„nun, Alfons! ſprechen Sie Recht!— Sei ein ächter Freigraf!“ ehe er ſich entſchloß, ſein Stillſchweigen zu brechen und alſo ſagte:
„Meine Herrn! Da Sie mich zu Richter, quasi in meiner
Hackländer, Namenl. Geſchichten. III. 2


