Neununddreißigſtes Kapitel.
weiſung; man öffnet die anſtoßenden Schlafzimmer und läßt die dort befindliche kalte Luft mit der Wärme in Verbindung treten. Ich hößße, es iſt alſo geſchehen!“
„Ja wohl, Herr Haushofmeiſter.“
„Nach einem alſo fatigirten Tagewerk in freier Luft taugt übergroße Wärmung der Schlafzimmer nicht. Die Herrſchaft kommt durch Diner und Spiel überdieß in Hitze, wornach ihr eine höhere Temperatur läſtig fiele, und in dem Hauſe, wo Meiſter Amadäus das Commando führt, ſoll einem Gaſte durchaus nichts läſtig werden.“
Die Lakaien hinter dem Haushofmeiſter machten eine gleich⸗ förmige und tiefe Verbeugung mit dem Kopfe, worauf Amadäus das Gleiche that und bedächtig zu einem anderen Geſprächsthema übergieng.
An den Stallthüren ſtanden Reitknechte und Stallbuben, die Ankunft der Herrſchaften erwartend, und einer der Letzteren zog ſeine Uhr heraus, um ſich zu unterrichten, welche Zeit des Tages es eigentlich ſei, eine Sache, welche dem Haus⸗ hofmeiſter Veranlaſſung gab, Einiges von der guten alten Zeit Erwähnung zu thun, von jenen Tagen, wo im Schloß außer der Thurmuhr nur eine einzige Uhr vorhanden war, eine kleine ſilberne Taſchenuhr, welche bei der hochſeligen gnädigen Frau auf dem Toiletteklſche lag; ein höchſt eigenſinniges Ding von vielem Selbſtbewußtſein und ſehr zarter Natur, denn ſie konnte es nicht vertragen, wenn ſie hingelegt wurde, und gieng um keinen Preis in der Welt weiter, wenn die hochſelige Frau Gräfin es einmal vergaß, ſte Abends Punkt zehn Uhr aufzuziehen.
Der Haushofmeiſter trug dieſe Geſchichte ſo überaus lehr⸗ reich vor, daß die Stallleute ſich langſam der Treppe näherten, ein Küchenjunge ſchüchtern um den Treppenpfeiler herumſchaute, und der Koch in weißer Jacke und ditto breiter Mütze aus ſeinem Departement hinaus in den Hof trat.
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