Neununddreißigſtes Kapitel.
zum Lebensunterhalt. An den Wänden des neuen, ſowie des alten Gebäudes rankten ſich Epheu und die mannigfaltigſten Schlingpflanzen empor, die Wände mit Grün und farbigen Blumen bedeckend. Eine große Treppe, die in den mittleren und Hauptflügel führte, war mit Orangenbäumen beſetzt und mit Blumen und ſeltenen Gewächſen verziert. Der ganze Hof hatte etwas Heiteres und überaus Wohlthuendes und der alte graue Thurm beſchattete das Ganze mit der Zufriedenheit des Alters und blickte die neueren Gebäude freundlich an, wie ein Großvater ſeine Kinder und Enkel, die ſich um ihn liebend verſammeln, wenn auch in anderen Koſtümen und mit anderen Lebensanſichten.
So ſah dieſer Hof aus zur ſchönen Zeit des Frühlings und Sommers, und jetzt in den Tagen unſerer wahrhaftigen Geſchichte fehlten nur die Orangenbäume auf der Treppe, die man bereits ins Winterquartier gebracht, und die bunten Blumen zwiſchen den Schlingpflanzen, wogegen ſich aber die Natur dort eine andere Färbung geſchaffen; denn in leichten maleriſchen Linien blickte zwiſchen dem ſaftigen Grün des Epheus das dunkle Roth der abſterbenden Jungfernrebe hervor.
Es war zu Ende Oktober, ein klarer friſcher Herbſttag. In dem Waldrevier, welcher das Schloß umgab, hatte man vom frühen Morgen an das Knallen der Gewehre, das luſtige Halloh der Treiber gehört, bald näher, bald ferner. Gegen Mittag hatte ſich die Jagd weiter abgezogen, und es war beſchloſſen worden, an einer bekannten großen Eiche, ungefähr zwei Stunden ent⸗ fernt, den letzten Trieb endigen zu laſſen. Döorthin waren auch Pferde und Wagen beſtellt, um die müden Jäger auf bequeme Art heimzubringen.
Zu dieſem Zweck waren die Stallthüren im Schloß geöffnet, der Stallmeiſter des Jagdherrn ſtand in demſelben, ſeine Befehle ertheilend, und Kutſcher, Reitknechte und Stallbuben waren be⸗
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