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Ein Schloß im Walde. 5
vermindert geblieben. Der Waldpalaſt trauert, er iſt ent⸗
Akert, und wenn man die alten Bäume nächtlicher Weile zu⸗
ſammenflüſtern hört und ihre Sprache verſteht, ſo jammern ſie über die Einſamkeit, über die entſetzliche Stille, die ſie rings um⸗ gibt, über die verlorene Poeſte ihres Daſeins.
Mitten in dieſem Wald⸗ und Bergrevier liegt ein altes Schloß, aber ziemlich moderniſtrt und den Bedürfniſſen des jetzigen Lebens angepaßt. Der alte unveränderte Theil deſſelben beſteht in einem maſſiven runden Thurme und einem kleinen ge⸗ wölbten Gebäude, in welchem ſich heutzutage das Archiv des Beſitzers und eine kleine Schloßkapelle befindet. Der andere Theil des Schloſſes, zwei Flügel, welche mit jenem alten eine Hufeiſenform bilden, wurden zu Anfang dieſes Jahrhunderts neu erbaut; ſte ſind von heller Farbe, haben große Fenſter und bilden zu jenem alten Theile einen gewaltigen Contraſt. Aber dieſer Contraſt iſt für das Auge durchaus nicht unangenehm. Man ſteht, daß der Erbauer den Zweck im Auge hatte, ſich eine ge⸗ räumige angenehme Wohnung zu verſchaffen, und dabei Pietäͤt für das Beſtehende, um daſſelbe zu laſſen, wie es war, ja es
auf's Sorgfältigſte zu unterhalten. Dieſer Erbauer mochte nicht
im Style des alten Bauweſens ſeine neue Wohnung aufführen, und man kann ihm hierin nicht Unrecht geben. Er hatte eine zahlreiche Familie, mit der er faſt das ganze Jahr hier oben zu⸗ brachte, und deßhalb waren ihm große Säle und viele geräumige Zimmer wünſchenswerthe Einrichtungen, welche ſich mit dem Bauſtyl des alten Gebäudes nicht wohl vereinigen ließen.
Die freie Seite der Gebäude war mit einem großen Gitter verſchloſſen; ein klares Bergwaſſer, das man hoch im Walde ge⸗ faßt und gebändigt, warf in der Mitte des Hofes ſeine ſenkrechten Strahlen hoch empor, und diente unter Anderm einem zahlreichen Geflügelhofe, der ſich hier befand, zum Spielzeug und theilweiſe


