Teil eines Werkes 
3. Bd. (1851)
Entstehung
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Neununddreißigſtes Kapitel.

Es iſt ein liebes ſtilles Stück Erde, dieß Revier; das Ge⸗ räuſch großer Landſtraßen bleibt ihm fern und nur auf ſchmalen Waldpfaden hört man das vereinzelte Knallen einer Peitſche und das Aechzen eines Holzwagens, weit ab accompagnirt von dem Gekreiſche des Raubvogels und den Schlägen einer Art.

Geneigter Leſer, zur Zeit wo unſere wahrhaftige, wenn auch namenloſe Geſchichte ſpielt, hatten dieſe Waldgründe außer ihrer natürlichen Schönheit noch einen andern Reiz. Es war damals das herrlichſte Jagdrevier, welches ſich weit und breit finden ließ. In tiefſter Einſamkeit auf den ſtillen Höhen, in den dichten heimlichen Buchenwaldungen wechſelte der edle Hirſch, weiter draußen in lichten Eichen⸗ und Tannenwaldungen neben dem bebauten Lande äßte ſich das unruhig hin⸗ und hereilende

Reh, an den Abhängen hinter alten dicken Bäumen hatten zahl⸗

reiche Haſen ihre Niederlage und auf dem Heidegrün in der Nähe der Dörfer beſorgte Reinecke, der Fuchs, ſeinen ſtillen gemüth⸗ lichen Handel und Wandel.

Damals zur Zeit des Herbſtes war der Forſt lebendig und tönte wieder von ſonſt unbekannten fremdartigen Klängen. Ver⸗ wundert vernahm der Hirſch das Knallen der Büchſen und das Gebelle der Hunde, die Rehe huſchten hin und her, aufgeſchreckt von dem Rufe der Treiber, und Haſen und Füchſe eilten einträchtig zuſammen, davon gejagt von allgemeinem Schrecken.

Jetzt iſt es ganz anders geworden und der Wald ſteht im Herbſt verlaſſen und todt und ſtill. Man hört nichts als das höhniſche Geſchrei des Raubvogels, der faſt allein übrig geblieben. Das edle Geſchlecht der Hirſche iſt ausgerottet, die Anweſenheit eines Rehes iſt zu einem Ereigniß geworden, was von den Haſen dem allgemeinen Morden entgangen, kommt verjagt und einge⸗ ſchüchtert faſt gar nicht mehr zum Vorſchein, oder wird dem ſchmunzelnden Fuchs zur Beute, deſſen Geſchlecht faſt allein un⸗