254 Achtunddreißigſtes Kapitel.
Jetzt war das Paar eingeſegnet und der Winkler, als er ſeine junge Frau an der Hand zur Kirche hinausführte, konnte ſich nicht enthalten, ihr im Uebermaaße des Glückes einen tüch⸗ tigen Kuß auf die friſchen Lippen zu drücken. Vor der Kirch⸗ thüre hob er darauf die Frau Oberkutſcher in den Wagen; Jean, der Hoflakai, hatte ehrerbietig den Tritt herabgelaſſen, und dann mußte die junge Frau ihren Gemahl lachend daran erinnern, daß heute neben ihr im Wagen ſein Platz ſei; denn er war in einiger Geiſtesabweſenheit eben im Begriff geweſen, ſich vorn auf den Bock zu ſchwingen.
Alsdann gieng's nach Hauſe zu einem ſehr ſoliden Mittag⸗ eſſen, und wenn es leider nicht ſo oft in der Welt vorkäme, daß Freude durch Leid getrübt wird„ſo wäre am heutigen Tage nichts zu wünſchen übrig geblieben. Aber ſo erhob ſich am Ende der Mahlzeit, und nachdem das junge Paar, deſſen Eltern und Verwandte, Seine Majeſtät der König und Seine Excellenz der Oberſtſtallmeiſter mit vielen Toaſten gefeiert worden waren, erhob ſich, ſagen wir, der Herr Dubelli mit ſehr ernſter Miene, hielt ſein Glas vor die Augen und ſagte:
„Meine Herrn und Damen! Nehmen wir das Unvermeid⸗ „liche an, und erlauben Sie mir in die freudigen Töne allge⸗ meiner Luſſſſ⸗t, die hier herrſchen, einen kleinen Akkord der Trauer anzuſchlagen. Unſere Freundin, unſere wackere Freun⸗ din, ja, unſere edle und geliebte Freundin, Jungfer Kiliane — iſſſſ⸗t nicht mehr! Sie ſſſſ⸗tarb heute Morgen ſanft und ſelig, wie wir alle wiſſen, in dem hohen Alter von vierundacht⸗ zig Jahren. Ihr, meine Freunde, thabt ſie gekannt, ihre Luſſſſ⸗t an guten Thaten, ihren vortrefflichen Lebenswandel. Leeren wir dieſes Glas auf ihr Andenken, auf die Hoffnung, daß ſie jetzt in heiteren beſſeren Gefilden, wie ſie es ſo ſehr verdiente, auf⸗ genommen iſt. Friede ihrer Aſche!“


